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	<title>memory machines</title>
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	<description>Memory - Recall - Identity @ Philip K. Dick</description>
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		<title>PKD et le récit – Doug Quail und die postmoderne Moderne</title>
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		<pubDate>Sat, 27 Jun 2009 21:48:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>memorymachines</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Demarkationsstellungen »›Du bist betrunken.‹ Ihre Lippen verzogen sich verächtlich. ›Oder Schlimmeres.‹« (Dick 1966: 594) Dass Kirsten Quail in diesen lakonischen Halbsätzen ihrem exaltiert-schizoiden Ehemann unverblümt wissen lässt, wie wenig sie mit der koketten Paranoia desselben zu tun haben will, ist uns freilich klar. Und dennoch machen wir folgenden Vorschlag: Nehmen wir an, Quails enervierte Gattin [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=memorymachines.wordpress.com&amp;blog=7072581&amp;post=167&amp;subd=memorymachines&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><strong>Demarkationsstellungen</strong></span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">»›Du bist betrunken.‹ Ihre Lippen verzogen sich verächtlich. ›Oder Schlimmeres.‹« (Dick 1966: 594) Dass Kirsten Quail in diesen lakonischen Halbsätzen ihrem exaltiert-schizoiden Ehemann unverblümt wissen lässt, wie wenig sie mit der koketten Paranoia desselben zu tun haben will, ist uns freilich klar. Und dennoch machen wir folgenden Vorschlag: Nehmen wir an, Quails enervierte Gattin adressiere hier weniger unseren duldenden Helden, als viel mehr uns selbst, uns in unserer Rolle als Leser, in unserer Rolle als Rezipienten, nehmen wir an, sie habe längst durchschaut, dass wir den transparent machenden Blick des Analytikers über weite Strecken schon missen, dass wir uns stoßen an allen Ecken und Kanten dieser doch augenscheinlich so abgerundeten Geschichte: <em>Trunkenheit</em> nämlich bildet eine exquisite Metapher für das unweigerliche Scheitern einer seriösen, akzentuierter sagen wir vielleicht: <em>wasserdichten</em> Lektüre dieses merkwürdigen Exempels zeitgenössischer amerikanischer Prosa. Will sagen: All jener Praxis, derer der gemeine Leser gerade deshalb zu frönen nicht müde wird, da sie ihm die Bürde der Sinn-Suche im literarischen Werk am Ende abzunehmen anbietet, namentlich »Prozeduren, deren Aufgabe es ist, die Kräfte und die Gefahren des Diskurses zu bändigen, sein unberechenbar Ereignishaftes zu bannen, seine schwere und bedrohliche Materialität zu umgehen« (Foucault 1970: 10f), scheinen sich die paar mit <em>We Can Remember It for You Wholesale</em> übertitelten Seiten zu versperren. Und zwar erst bei näherem Hinsehen. Natürlich: Nichts liegt näher, als Dicks Groteske schlechterdings als »a well-written, interesting joke, but still just [as] a joke« (Handlen 2005) abzutun – doch würde das gewiss über die massiven Turbulenzen hinwegtäuschen, die dem Leser der Versuch einer adäquaten Klassierung, eines strategischen Umgangs mit diesem Text bereithält. Foucaults skizzierte Mechanismen der Sinnbestimmung, der Satisfaktion hermeneutischer Bedürfnisse, das buchstäbliche Einfangen, das Bändigen des »Text-Sinnes«, die neurotische Rückbindung diverser »Bedeutungsschichten«, »sinnstiftender« Einheiten, »wesenhafter« Kontexte auf vermeintlich schicksalhafte, gleichsam ewige Prinzipien (Autor, Genre, Epoche &#8230;), schlittern möglicherweise just dann in eine Krise, wenn ebendiese Prinzipien an sich bereits fragwürdig sind. (– Fragwürdig sind sie immer, doch nicht jeder Leser ist ein Poststrukturalist &#8230;). So drängt sich beispielsweise eine dieser Fragwürdigkeiten gewiss in den Raum, sobald man bestrebt ist, Dicks Erzählung einer klar fassbaren, gesellschaftlich als distinkt wahrgenommenen literarischen »Epoche« zuzuordnen – ist Quails Schicksal nun modern, oder postmodern? Modernistisch? Oder vollends im Abseits? Dicks Geschichte, so viel sei an diesem Punkt bereits verraten, steht Problemen dergestalt weitgehend indifferent gegenüber: Es werden zugleich alle und keine epochalen Klischees bedient. Dick ist überall. Worauf das hinausläuft? Naturgemäß auf eine höchst instabile Position des Textes innerhalb althergebrachter Organisationsmaschinerien: Es ist sowohl ein Leichtes, Dick als spätmodernen Kritiker einer expandierenden Politik der sukzessiven Entmenschlichung vorzustellen, als auch ihn bereits außerhalb moderner Denkstrukturen zu situieren, mithin als einen Schriftsteller, der die »[p]ostmoderne [...] Auffassung von einem multiplen-proteushaften Selbst favorisiert« (Lützeler 1998: 908). Diese Hybridität in Sachen Klassifikation weist auf einen bezeichnenden wie dubiosen <em>Demarkationscharakter</em> dieser Literatur hin, auf ein heimatloses Changieren im Grenzland zwischen einander fremden diskursiven Formationen, gedanklichen Satzungen, politischen Attitüden: endlich auf eine <em>Trunkenheit</em>, eine Trunkenheit des Textes und des ihn hofierenden <em>Ordnungspersonals</em>, der ihn im Orbit umwirkenden Systematisierungsbestrebungen. Allein, ob dieser sanfte Rausch der Indifferenz nicht letztlich doch nichts weiter ist als eine irrige Tarnmaske vor den schroffen Konturen reaktionärer Gestik, wird noch zu hinterfragen sein.</span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><strong>Die Einschließungs-Kontroll-Gesellschaft</strong></span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Evident wird die idiosynkratische Trübheit, die wir der Kurzgeschichte zu unterstellen uns anschicken, erstmals in Anbetracht der gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen innerhalb derer Philip K. Dick die zerebrale Irrfahrt seines Protagonisten ansiedelt: Diese nämlich entstammen zweifellos jener Verschwommenheit, jener chimärenartigen Indefinibilität, welcher auch der fragwürdige Rest dieser dystopischen Welt konstant seinen Tribut zollt. Wir haben es zu tun mit eminent widersprüchlichen Mechanismen der Exekution behördlicher Gewalt: Auf der Suche nach einer konkreten Formel, die soziopolitische Situation Quails präzis zu umreißen, stößt man mittelfristig und unweigerlich auf die hochparadoxe Figur des <em>freien Gefangenen</em>. Es liegt nahe, Franz Kafka die Ehre zukommen zu lassen, als der erste politische Beobachter im noch jungen 20. Jahrhundert ebendieses vermeintlich atypische Phänomen durchdekliniert zu haben: Wir können umstandslos uns ein Szenario vorstellen, da der Geheimdienst <em>Interplan</em>, den zu sanktionierenden Douglas Quail nach aufreibender Debatte mit den Worten befriedet: »[V]ielleicht entspricht Ihnen die Verschleppung besser«, die Verschleppung nämlich »besteht darin, daß der Proceß dauernd im niedrigsten Proceßstadium erhalten wird«, d.i., »[d]er Proceß hört zwar nicht auf, aber der Angeklagte ist vor einer Verurteilung fast ebenso gesichert, wie wenn er frei wäre«, was natürlich impliziert, »daß hier der Angeklagte niemals frei ist«. (Kafka 1925: 146f) Der virtuose Monolog des Malers Titorelli weist latent und dennoch akkurat auf das 40 Jahre später festgeschriebene Fatum Doug Quails hin: Freilich, Quail hat im Gegensatz zu Josef K. mit keiner genuin juridischen Repression zu kämpfen – doch Kategorien dieser Art sind relativ; beide Charaktere unterliegen behördlichen Vollzugsmechanismen, beide durchleben einen mehr oder minder stringenten <em>Prozess</em> der Entsubjektivierung, beiden kommt eine trennscharfe Distinktion zwischen Lebenswahrheit und (psychotischer) Imagination zunehmend abhanden – und endlich entsprechen sich beide Charaktere im Dilemma ihrer <em>freien Gefangenschaft</em>. Demnach kommt es nicht von ungefähr, wenn Gilles Deleuze gerade in dem Moment an Kafka erinnert, wo er die Krise der foucaultschen <em>Einschließungssysteme</em> reflektiert. Foucault habe eine schlüssige Ausformulierung der Vielzahl <em>rahmender Milieus</em> geliefert, die der okzidentale Bürger des 18., des 19. wie auch des frühen 20. Jahrhunderts im Laufe seiner Lebensentwicklung zu durchlaufen hatte (Familie, Schule, Militärdienst, Fabrik etc.). Repräsentativ für die Gesamtheit dieser edukativen Kontexte ist die Absenz flexibler Permiabilität respektive einer heteromorphen Dynamik – d.i. sie sind allesamt geprägt von einer starren und strikt exekutierten Geschlossenheit; Entwicklung verkommt mithin zum bloßen <em>Übertritt</em> von einem <em>Einschließungs-Milieu</em> ins nächste. Nun geht Deleuze jedoch davon aus, dass als Konsequenz der beiden Weltkriege dieser sicher geglaubte (Ein-)Grenzcharakter der diversen Institutionen zunehmend sich mit einer Rechtfertigungsnot herumzuschlagen habe, einer Not, die bis heute Wirkung zeige und auf Dauer eine neue Gesellschaftsformation provoziere: »Wir befinden uns in einer allgemeinen Krise aller Einschließungsmilieus [...] Es handelt sich nur noch darum, ihre Agonie zu verwalten und die Leute zu beschäftigen, bis die neuen Kräfte, die schon an die Türe klopfen, ihren Platz eingenommen haben« (Deleuze 1990: 255). Die Ursachen dafür liegen auf der Hand: Die Tücken der Spätmoderne wuchsen über das traditionell-autoritäre Bändigungskalkül hinaus; eine Fülle gewaltiger historischer Transformationen – allen voran die Modifikation der klassischen <em>Fabriks-</em> in anpassungsfähige <em>Unternehmensstrukturen</em> (Deleuze 1990: 257) – bedurfte einer flexibleren Kybernetisierungsstrategie: Die <em>Einschließung</em> begann der <em>Kontrolle</em> zu weichen.</span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Hatte das <em>Gefängnis</em> noch als wirkungsmächtigste Analogie im Zeitalter der rahmenden Einschließung gegolten, so weicht dieses <em>imago</em> zunehmend – und natürlich vor dem pressierenden Hintergrund überfüllter Haftanstalten – Ideen der <em>rahmensprengenden</em> Überwachung: Wir denken beispielsweise an elektronische Fußfesseln oder Halsbänder – oder eben, wie im Falle Quails, an einen »telepathische[n] Transmitter; kraft eines lebenden Plasmas, das auf Luna entdeckt worden war.« (Dick 1966: 599) Die heterogene Beschaffenheit nachmoderner Realität bedingt im Sinne Deleuzes <em>á la longue </em>eine radikale Reform der Rahmen-Organisation; die diversen Einschließungsmilieus lösen sich nicht mehr sukzessive einander ab,  sondern gehen vollends in der Fassungskraft einer einzigen Matrize auf: »[D]ie Kontrollen [...] sind eine <em>Modulation</em>, sie gleichen einer sich selbst verformenden Gußform, die sich von einem Moment zum anderen verändert, oder einem Sieb, dessen Maschen von einem Punkt zum anderen variieren.« (Deleuze 1990: 256) Was also bleibt, ist lediglich ein singulärer elastischer Rahmen, den man unter Umständen gar mit der Wirklichkeit als solcher verwechseln könnte; seine Vielschichtigkeit letztlich ist es, welche die zentralistisch organisierten Überwachungpraktiken ihren Posten räumen lässt. Der postmoderne Soziologie Zygmunt Bauman gedachte zehn Jahre später gewiss Deleuzes, als er Foucaults Reflexion über das <em>Panopticon</em> in eine <em>post-panoptische</em> Ära (Bauman 2000: 18) weiterzuentwickeln suchte; der Orientierung binnen einer überbordend-pleomorphen gesellschaftlichen Realität erweist sich ein zirkuläres Überwachungsdispositiv schließlich als wenig zweckdienlich – mobile Kontrollmechanismen und flexible Interventionen dagegen ermöglichen einen effektiven Umgang mit der wachsenden <em>Zerstreuung</em>.</span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Es bedarf keiner langwierigen Analyse, um zu verstehen, dass Deleuze hier ebenfalls von einer <em>Demarkationssituation</em> spricht; von einem Übergang, von einer Ablöse. Die westliche Hemisphäre unterliegt gegenwärtig regulierenden Verfahren und Gewalten, die sowohl Überwachungs-, als auch Kontrollspezifika aufweisen – wobei ein klarer <em>Trend</em> hin zu Letzteren auszumachen ist. Den Konnex zu Dick an diesem Punkt wiederum herzustellen, ist so simpel denn doch nicht: Ein erster flüchtiger Blick würde Quails Situation naturgemäß als die einer hochintensiven universalen Kontrolle vorschlagen – allerdings entgeht dieser Perspektive das Wesentliche: Quail nämlich, so wollen wir lakonisch behaupten, trägt sein ureigenes <em>Einschließungsmilieu</em> stets und notgedrungen mit sich herum. Die (putative) Termination seiner ursprünglichen Identität erweist sich als erste und oberste Bedingung seiner »Freiheit« – die zusätzliche <em>Kontrolle</em> durch den <em>Kephalotransmitter</em> (Dick 1966: 600) wirkt auf dieser Basis weit eher als zynischer Kommentar, als groteske Überladung der <em>psychotechnischen Manipulation</em> (Horkheimer/Adorno 1947: 187). Die Überfärbung der eigentlichen Person, des authentischen Subjekts, mit künstlichen Inhalten erweist sich schließlich als ultimative Einschließung – als Einschließung im Gewande der Kontrolle, im Gewande der Gewährleistung freier Bewegung. (Überdies verkehrt sich die Kontrolle durch ihre Allgegenwart wieder zum <em>Panoptismus</em>). Dennoch ist die dicksche Überwachung nicht kongruent mit jener aus <em>Surveiller et punir </em>– zumal Quail über keinerlei faktische Optionen verfügt, von einer Rahmung in die nächste zu wechseln. Weit eher zeichnen sich die von Dick skizzierten Vollstreckungssysteme durch eine merkwürdige Starrheit und Eindimensionalität aus. Diese Starrheit nun unterscheidet <em>Interplans</em> Internierungspraktiken auf einer abstrakteren Ebene außerdem von unserer momentanen realpolitischen Lage, der Deleuze den besagten Metamorphosencharakter attestiert: Das dubiose Arrangement aus basaler Einschließung und übergestülpter Kontrolle, innerhalb dessen sich Quail abzumühen hat, ist vom Durchlaufen einer Entwicklung weit entfernt – vielmehr wirkt es verkrustet und tendenzlos; in der Tat als ein solipsistischer <em>Demarkations-zustand</em>.</span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><strong>Prekäre Subjektivität</strong></span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Die (scheinbar) tendenzlose Unentschiedenheit beschränkt sich dabei allerdings keineswegs auf die dystopische Regulierungspolitik <em>Interplans</em>: Ebendiese gilt uns lediglich als ein erster Hinweis für die Gesamtverfasstheit einerseits der fiktiven Welt, andererseits dieser Literatur als solcher – begreifen wir jene nämlich als amalgamiert-sklerotische <em>Einschließungs-Kontroll-Gesellschaft</em>, mithin als stagnierte Grenzformation zwischen spät- und nachmodernen Kontexten, so erinnert diese ebenfalls an den verlorenen Posten zwischen Kritischer Theorie und Poststrukturalismus, der so manchem ambitionierten Romanprojekt des letzten Jahrhunderts als durchaus vorteilhaft zugeschrieben wurde. Darum weist etwa Peter Zima, einer der wenigen Literaturwissenschafter deutschsprachiger Provenienz, welche die französische Humanismuskritik ernst zu nehmen versuchen, sie in umfassenden Darstellungen einer Analyse unterziehen, darauf hin, dass Anthony Burgess mit <em>A Clockwerk Orange </em>im Jahr 1962 eine Negativutopie vorgelegt habe, die »als ein Übergangstext zwischen der kritischen und selbstkritischen Subjektivität des Modernismus einerseits und der Subjektskepsis der Postmoderne andererseits gelesen werden« kann. (Zima 2000: 183) Geschuldet sei diese Ambivalenz nun zuvörderst der binären Struktur des Romans: Burgess zerlegt seine Reflexion über moderne Identitätsarbeit in zwei Teilbereiche, wobei im ersten die anti-bourgeoise Rebellion einer anarchischen <em>Peer Group</em>, im zweiten wiederum die <em>psychotechnische</em> Entsubjektivierung des vormaligen Anführers ebendieses Kollektivs dargelegt wird. Dass zwischen diesen sich diametral entgegen liegenden Polen eine philosophische Spannungsrelation sich entspinnt, darf nicht verwundern: Burgess nämlich kontrastiert gekonnt die modernistische Katastrophe, das stete Abhandenkommen des autonom geglaubten Subjekts, den Kampf gegen die totalitären Mächte einer <em>verwalteten Welt</em> (Adorno 1966: 355), mit dem postmodernen Abandonnement einer als utopisch abgekanzelten individuellen Subjektivität – eine Konstellation von solcher Rigidität, dass Zima sich bemüßigt fühlt, den Roman als Proklamation der nunmehr <em>finiten</em> literarischen Moderne, darüberhinaus jedoch als Prognose vorzustellen, die »zugleich den Anfang einer Ära an[kündigt], die sowohl am Subjekt als auch am Subjektbegriff verzweifelt.« (Zima 2000: 193) Auf plakative Etiketten herunter gebrochen, bedeutet das nichts anderes, als dass <em>A Clockwork Orange</em> sowohl sich an einer <em>kritisch-theoretischen</em> Suche nach einem <em>Jenseits</em> der gesellschaftlichen Zwänge beteilige, als auch weite »Teile von Foucaults Philosophie vorwegnimmt«. (Zima 2000: 183)</span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Der aufmerksame Leser wird an diesem Punkt bereits den Zerfall unserer fundamentalen Hypothese uns vorrechnen zu können sich in der Lage wähnen: Auf der Ebene der figuralen Subjektivität mag jene vielbeschworene Ambiguität, jene polygene Grenzstellung zwischen Kampf und Regression für Burgess zwar zweifellos zutreffen – doch nimmt sich das Identitätsproblem bei Philip K. Dick nicht ausnahmsweise schlicht als monophyletisch aus? Beschreibt es nicht, ganz entgegen den bisherigen Darlegungen, eine offensichtliche <em>Tendenz</em> hin zur schieren Subjektlosigkeit? Wie soll eine Engführung von <em>A Clockwork Orange</em> und <em>We Can Remember It for You Wholesale</em> fruchtbar zu bewerkstelligen sein, wenn Letzteres ganz auf die autoritäre Subversion sich beschränkt und also den Zerfall des Einzelsubjekts gar nicht erst als katastrophal wahrzunehmen sich gezwungen sieht? Diesen Vorwurf konkret zu untermauern ist ein Leichtes; immerhin nimmt Quail lieber eine zweite entfremdende, de-subjektivierende Rekonfiguration seines Gedächtnisses in kauf, als im modernistischen Kampf um jenseitige Authentizität unterzugehen. (Dick 1966: 605) Weniger als beim <em>deleuzianoiden</em> behördlichen Apparat, scheint Dick also auf der Ebene des Einzelmenschen eine konkrete Richtung einzuschlagen – und zwar hin zur fundamentalistischen Postmoderne: Denn »[d]ie Protagonisten vieler als postmodern bezeichneter Romane können nicht mehr nach einem Jenseits der bestehenden Verhältnisse fragen, weil sie [...] von psychischen oder materiellen Faktoren restlos determiniert werden.« (Zima 2000: 190)</span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Bevor dieses Problem näher analysiert wird, sei noch gerechterweise angemerkt, dass Peter Zima einerseits mit einem exponiert literaturzentrierten, andererseits mit einem extrem foucaultlastigen (und zwar vornehmlich in Hinblick auf den jungen Foucault) Postmodernebegriff operiert – dass aber Michel Foucault das Subjekt lange Zeit übergangen hat und Autoren wie Robbe-Grillet oder Pynchon sowohl den extratensiven, wie auch den immanent-psychischen Determinismus ihrer Protagonisten exaggerieren mag zwar der Wahrheit entsprechen, obgleich das freilich nicht bedeutet, dass eine postmoderne Vernunft grundsätzlich antisubjektivisch sich zu gebärden habe. Vielmehr zeigt sich die diesbezügliche Reflexion bemüht, das Subjekt in seiner multivariaten Bedingtheit zu denken – nicht geht es um den oft verkündeten <em>Tod des Subjekts</em>, sondern um eine elementare Wandlung des Subjektivitätsbegriffes, welcher »der modernen und postmodernen Pluralisierung und Diversifizierung der Rationalitätstypen« Rechnung trägt (Welsch 1990: 316), welcher die »›normale‹ Situation des postmodernen Menschen in einer Welt, in der die Intensivierung der Kommunikation [...] den Weg öffnet zu einer wirklichen Erfahrung von Individualität als Vielfalt«, anerkennt. (Vattimo 1985: 62) Es geht also <em>trotz</em> <em>aller Bedingtheit</em> um eine Subjektivität, »die nicht vielheitsscheu, sondern vielheitsfähig ist« (Welsch 1990: 317) – wobei die (im weiten Sinne des Begriffs) als <em>postmodern</em> bezeichneten Denker naturgemäß großen Wert auf die präzise Analyse ebenjener Bedingtheit legten und immer noch legen: Konzernwirtschaft, Bürokratisierung in Tandem mit staatlichem Interventionismus, Systemzwang und Entfremdung, Flexibilisierung, Wertkrisen, Ideologisierung, Mediatisierung, De-Paternellisierung, Vereinsamung und Vereinzelung, Einflussnahme des Unbewussten  etc. (Zima 2000: 89) – diese und außerdem eine Vielzahl weiterer Phänomene der systematischen Entmachtung monadischer Subjektivität in ihrer Wirkungsweise und Konsequenz zu verstehen, bildet zweifellos einen neuralgischen <em>Brennpunkt </em>postmoderner Rationalität – wobei diesbezüglich zwischen adäquater Analyse und einer gedankenverlorenen Verabsolutierung strikt zu differenzieren ist.</span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Gehen wir nun jedoch – im Anschluss an Zima – von einem solchermaßen vulgärstrukturalistischen Absolutismus aus, um die bedenkliche Radikalisierung antihumanistischer Individualität bei Philip K. Dick zu beleuchten, so drängt es sich freilich auf, Quail als originär-postmodernes Anti-Subjekt zu bezeichnen. Doch stellt uns dieses Verdikt umgehend vor folgendes Problem: So wir nämlich annehmen, dass das postmoderne Subjekt sich, wie besehen, als von einem gleichermaßen komplexen wie vielförmigen Pluralismus einflussnehmender Machtfaktoren beeinträchtigt ausnimmt, wird man bei Dick vergeblich nach einer Interventionsmaschinerie von ebenbürtiger Polyperspektivität suchen: Doug Quails Desubjektivierung ist allein von einem einzigen totalitären Paradigma zu verantworten – namentlich der lobotomischen Infiltration. Exakt in diesem Umstand nun verorten wir das gewaltige, das reaktionäre Skandalon dieses Textes: Eine literarische Kritik, die jedes Antisubjekt kurzerhand als postmodern bezeichnet, erweist sich mittelfristig als depraviert; indem es Dick ausschließlich über den psychotechnischen Umweg gelingt, die Autonomie seines Protagonisten zu entwerten, entledigt er sich jeder seriösen Possibilität, den modernistischen Diskurs auf angemessene Weise weiterzuentwickeln. Hinter der Fassade totaler Heteronomie erwartet uns die überholte Fratze des cartesianischen Subjekts: Dicks fatales Theorem, personale Identität und individuelles Gedächtnis als äquivalent zu analogisieren, öffnet der längst überkommenen »Postulierung eines autonomen Menschensubjekts, das heißt, d[er] Behauptung, dass jeder Mensch in sich eine Abgeschlossenheit darstellt an Geist, Seele, Bewusstsein, Begierden und Körper«, die zwingend in individueller Isolation zu resultieren hat, die Pforten. (Kuhn 2005: 37) Der offenkundige Mangel an pluralen Repressionmotoren drängt den Schluss auf, Quail sei in seiner eigentlichen, prä-deformierten psychischen Gestalt in der Tat ein <em>transzendentes</em> Subjekt im Sinne Descartes’ oder Kants gewesen – erst und ausschließlich dem technopolitischen Zwang gelang es, dessen Entthronung zu forcieren. Hinter aller vulgärstrukturalistisch-postmodern-modernistischen Camouflage verbirgt sich die unzulässige, die unzeitgemäße, ja die un-vernünftige Hoffnung auf absolute Selbstbestimmung: Herrschaft über das Gedächtnis bedeutet Beherrschung des Selbst – und kein Wort mehr.</span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Dass so mancher Dick-Apologet nun gerade mit dem derridaschen Einwand <em>Vergessen</em> <em>wir nicht die Psychoanalyse!</em> wohl anzumelden sich gezwungen sieht, ist nur bedingt verständlich: Mag freudsche Tiefe für Dick in der Regel zutreffen, so konterkariert sich dieser Tiefgang in diesem unserem Fall – ob gewollt oder ungewollt sei dahingestellt – selbst: Wer die Erinnerung als einzig legitimes Konstitutivelement des Individuums vorstellt, der kennt kein Unbewusstes; die Absolutsetzung der Erinnerung kompromittiert mithin auch die freudsche Diskursivität.</span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">In Kontrast zu Burgess und <em>A Clockwork Orange</em> können wir demnach zwar kein Spannungsverhältnis zwischen Spät- und Postmoderne konstatieren, wie Peter Zima das mehr oder minder einleuchtend vorexerziert – unserem Diktum der <em>Demarkation</em> brauchen wir deshalb aber trotzdem nicht zu entsagen: Adorno und Lyotard haben zumindest gemeinsam, dass beide <em>Subjekt</em> als »ein zweideutiges Wort [verstehen], das sowohl Zugrundeliegendes (hypokeímenon, subiectum) als auch Unterworfenes (subiectus = untergeben) bedeutet« (Zima 2000: 3), die Demarkation, die Dick wiederum skizziert, gleicht hingegen einem tiefen, einem absurden Bruch: Bemäntelt vom dichten Nebel der pseudopostmodernen Heteronomie versteckt sich der humanistische Traum anthropozentrischer Unantastbarkeit: Nichts ist hier postmodern, nichts ist modernistisch; keine Sensibilität zeigt Dick für die <em>Pluralisierung und Diversifizierung der Rationalitätstypen</em> – der einzige Rationalitätstyp, den er billigt, ist das Gedächtnis; hinter dem Zwang leuchtet die unantastbare <em>Einheit des Menschen</em> – leuchtet die <em>große Erzählung</em>, leuchtet die <em>métarécit</em>.</span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><strong><span style="text-decoration:underline;">Medien:<span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></span></strong></span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Theodor W. Adorno (1966): »Negative Dialektik/Jargon der Eigentlichkeit«, in: Theodor W. Adorno, <em>Gesammelte Schriften</em>, Rolf Tiedemann (Hg.), <em>Bd. 6</em>, Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 2003.</span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Zygmunt Bauman (2000): <em>Flüchtige Moderne</em>, übers. v. Reinhard Kreissl, Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 2003.</span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Anthony Burgess (1962): <em>A Clockwork Orange</em>, Stuttgart: Reclam, 1992.</span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Gilles Deleuze (1990): »Postskriptum über die Kontrollgesellschaften«, in: (ders.), <em>Unterhandlungen: 1972-1990</em>, übers. v. Gustav Roßler, Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1993.</span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Philip K. Dick (1966): »Erinnerungen en gros«, übersetzt von Thomas Mohr, in: (ders.), <em>Der unmögliche Planet: Stories</em>, München: Heyne, 2002.</span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Peter Engelmann (1990): »Einführung: Postmoderne und Dekonstruktion. Zwei Stichwörter zur zeitgenössischen Philosophie«, in: ders. (Hg.), <em>Postmoderne und Dekonstruktion: Texte französischer Philosophen der Gegenwart</em>, Stuttgart: Reclam, 2004.</span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Michel Foucault (1970): <em>Die Ordnung des Diskurses</em>, übers. v. Walter Seitter, Frankfurt a. M.: Fischer, 2007.</span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Zack Handlen (2005): »Total Recall«, auf: <a href="http://badmovieplanet.com/duckspeaks/reviews/2005/total-recall">http://badmovieplanet.com/duckspeaks/reviews/2005/total-recall</a>, am: 24.06.2009.</span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Max Horkheimer/Theodor W. Adorno (1947): »Dialektik der Aufklärung: Philosophische Fragmente«, in: Theodor W. Adorno, <em>Gesammelte Schriften</em>, Rolf Tiedemann (Hg.), <em>Bd. 3</em>, Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1981.</span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Franz Kafka (1925): <em>Der Proceß</em>, Stuttgart: Reclam, 2003.</span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Gabriel Kuhn (2005): <em>Tier-Werden, Schwarz-Werden, Frau-Werden: Eine Einführung in die politische Philosophie des Poststrukturalismus</em>, Münster: Unrast.</span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Paul Michael Lützeler (1998): »Nomadentum und Arbeitslosigkeit: Identität in der Postmoderne«, in: Karl Heinz Bohrer, Kurt Scheel (Hg.), <em>Merkur: Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken</em>, 52. Jahrgang, Heft 9/10: <em>Postmoderne: Eine Bilanz</em>, Stuttgart: Klett-Cotta, 1998.</span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Peter Tepe (1992): <em>Postmoderne/Poststrukturalismus</em>, Wien: Passagen.</span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Gianni Vattimo (1985): »Nietzsche und das Jenseits vom Subjekt«, in: (ders.), <em>Jenseits vom Subjekt: Nietzsche, Heidegger und die Hermeneutik</em>, übers. v. Sonja Puntscher Riekmann, Wien: Passagen, 2005.</span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Wolfgang Welsch (1990): <em>Unsere postmoderne Moderne</em>, Berlin: Akademie, 1993.</span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Peter V. Zima (2000): <em>Theorie des Subjekts: Subjektivität und Identität zwischen Moderne und Postmoderne</em>, Tübingen/Basel: A. Francke, 2007.<span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><br />
</span></span></p>
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		<title>Die Cyborg-Identität</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Jun 2009 19:00:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>memorymachines</dc:creator>
				<category><![CDATA[PKD]]></category>

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		<description><![CDATA[In diesem Eintrag soll das Thema Identität in Philip K. Dicks Werk anhand der Darstellung der Replikanten in Blade Runner behandelt werden. Einige WissenschaftlerInnen sind der Ansicht, dass der Mensch schon immer das Verlangen hatte, sein Ebenbild zu erschaffen. Bereits die ersten Darstellungen von menschlichen Körpern in Form von Höhlenmalerei könnten dahingehend gedeutet werden. Was [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=memorymachines.wordpress.com&amp;blog=7072581&amp;post=150&amp;subd=memorymachines&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><br />
In diesem Eintrag soll das Thema <em>Identität in Philip K. Dicks Werk</em> anhand der Darstellung der Replikanten in <em>Blade Runner</em> behandelt werden.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Einige WissenschaftlerInnen sind der Ansicht, dass der Mensch schon immer das Verlangen hatte, sein Ebenbild zu erschaffen. Bereits die ersten Darstellungen von menschlichen Körpern in Form von Höhlenmalerei könnten dahingehend gedeutet werden. Was macht nun diese Idee so reizvoll? Ist es die religiös verortete Annahme, dass wir selbst, oder zumindest unsere frühesten Vorfahren, auch <em>gemacht</em> worden sind? Ist es die Überwindung von Gott, die letzte Hürde, die uns selbst gottgleich machen würde?</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">In <em>Science Fiction</em>-Filmen haben die künstlichen Menschen bereits Tradition, und viele verschiedene Namen: Cyborgs, Androiden, Replikanten, etc. In der Wissenschaft hat sich <em>Cyborg</em> als Bezeichnung durchgesetzt, jedoch gibt es einige sehr verschiedene Meinungen, was nun ein Cyborg sei bzw. ab wann man von Cyborgs sprechen kann.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Das Wort Cyborg ist ein Kunstwort, das sich aus <em>cybernetic organism</em> ableitet und eine Mischform aus Organismus und Maschine bezeichnet, was ihn z.B. sehr deutlich vom <em>Androiden</em> abhebt. Als Androiden werden generell Roboter bezeichnet, die zwar typisch menschliche Gestalt haben und typisch menschliche Bewegungsmuster ausführen, aber dennoch rein elektronisch/mechanisch sind.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Im Moment sind zwei Ansätze zum Begriff Cyborg vorherrschend:</span></p>
<p style="padding-left:30px;text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">1. Der Cyborg als eine Verbindung von Mensch und Maschine; wobei man noch danach differenzieren könnte, ob der technische Teil <em>unter der Haut</em>, also implantiert sein muss (z.B. ein Herzschrittmacher), oder ob z.B. ein eingestöpselter MP3-Player auch schon dazu qualifiziert, ein Cyborg zu sein.<br />
</span><br />
<span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">2. Jede Extension des menschlichen Körpers ist ausreichend, um den Menschen zum Cyborg zu machen. Hiernach wäre der Mensch prinzipiell als Mängelwesen zu sehen, das unausweichlich mit Technologie verbunden sein muss, da für viele Aufgaben, die sich ihm im täglichen Leben auch schon zu Urzeiten stellten, bereits Werkzeuge, also Extensionen des Körpers, von Nöten waren. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Daher stellen sich einige WissenschaftlerInnen die Frage, ob jemals ein <em>natürlicher</em> menschlicher Körper vorhanden war. Barbara Orland dazu:</span></p>
<p class="MsoNormal" style="padding-left:30px;text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Mit Blick auf die Zeit seit dem 18. Jahrhundert gehen die AutorInnen vielmehr von der These aus, dass jede Epoche auf Basis verfügbarer Instrumente, disziplinärer Verschiebungen in der Erzeugung des Wissens und sozioökonomischer Bedingungen eigene Vorstellungen vom menschlichen Körper entwickelt hat, die jeweils wieder in neue Konfigurationen des Verhältnisses von Technik und Körper einmündeten. (Orland 2005: 13.)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Sehen wir uns die Ausgangssituation im Film <em>Blade Runner</em> an. Wir schreiben das Jahr 2019, der Schauplatz ist Los Angeles. Ein dritter (thermonuklearer) Weltkrieg sowie Kapitalismus und Konsumgesellschaft haben ihre Spuren hinterlassen. Die Erde wurde zur Müllkippe der Menschheit, wer Geld hat, ist schon längst in den <em>off-world colonies</em>. Nur die Armen und Menschen, die die medizinischen Tests nicht bestehen würden, sind noch auf der Erde. Für die nötige Drecksarbeit in den Kolonien wurden metaphysische Menschen geschaffen, deren Körper jedoch das exakte Abbild eines Menschen sind. Genannt werden diese künstlichen Menschen <em>Replikanten</em>, oder verächtlich <em>Skin-Jobs</em>. Diesen Replikanten ist die Rückkehr auf die Erde verboten, Missachtung wird mit dem Tod bestraft. Die Menschheit hat sich also eine Gesellschaft zweiter Klasse gezüchtet, der sie auch nur vier Jahre Lebenserwartung zugestanden hat. Um den Replikanten einen <em>emotionalen Polster</em> zu geben, werden ihnen Erinnerungen implantiert, oft symbolisiert durch Fotos. Eine Gruppe von Replikanten, angeführt von Roy Batty, hat die Rückkehr auf die Erde geschafft. Um sie <em>aus dem Verkehr zu ziehen</em>, im englischen Original heisst es <em>to retire them</em>, wird der ausgebrannte <em>Blade Runner</em> Rick Deckard aus dem Ruhestand zurück in den Polizeidienst geholt. Deckard nimmt seine Arbeit auf, während die Replikanten versuchen, in Kontakt mit ihrem Hersteller zu gelangen, um ihn um ein längeres Leben <em>zu</em> <em>bitten</em>.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Was nun an den Replikanten in <em>Blade Runner</em> interessant ist, ist ihre fast kindliche emotionale Vielseitigkeit und Neugierde. Während der vermeintlich echte Mensch Deckard seine Gefühle mit Alkohol betäubt, kosten die Replikanten jeden Moment aus. Susan Doll und Greg Faller beschrieben dies so: »[W]hile an over-mechanized society can create human-like machines, it can also create machine-like humans.« (Doll/Faller 1986: 89f.)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Im Film wird von den Polizeieinheiten ein spezieller Empathie-Test, genannt <em>Voight-Kampff-Test</em>, benutzt, um zwischen Replikanten und echten Menschen zu unterscheiden. In einer Schlüsselszene fragt Rachel, eine weibliche Replikantin in die Deckard verliebt ist, den <em>Blade Runner</em> Deckard, ob er diesen Test eigentlich schon jemals selbst gemacht habe. Deckard gibt keine Antwort darauf. In <em>Blade Runner</em>-Fankreisen und in der wissenschaftlichen Literatur zum Film ist es ein oft und heiß diskutiertes Thema, ob Deckard selbst ein Replikant ist. Der Film bietet einige Anhaltspunkte, die man als Hinweise darauf lesen könnte, aber nicht zwingend muss. Das größte Argument dagegen ist, dass Deckard weder körperlich den Replikanten gewachsen, noch emotional auf einer vergleichbaren Ebene angesiedelt ist. Im Gegenteil, Deckard und Roy Batty wirken den ganzen Film hindurch wie gespiegelte Versionen des jeweils anderen, oder genauer, wie eine Umkehrung des jeweils anderen:</span></p>
<p class="MsoNormal" style="padding-left:30px;text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">The purpose of Deckard’s is death – the »retirement« of these replicants; the purpose of Batty’s is life – an extension of his and his companions’ cruelly in-built four-year lifespan. (Jolin 2007: 115)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">In der Schlusssequenz des Films erscheinen Deckard und Roy Batty schließlich wie zwei nach langer Zeit endlich wieder vereinte Hälften derselben Seele, beide haben einander gebraucht, um zu erkennen, wie wertvoll das Leben ist. Deckard hat im Laufe des Films auch einen Lernprozess durchgemacht, er weiß, dass er nicht gewalttätige Maschinen, sondern Opfer des Systems gejagt und getötet hat. Genau darauf spielte auch sein Boss Bryant zu Beginn von Deckards Ermittlungen an: »You know the score pal. If you’re not cop, you’re little people.«</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Blade Runner wirft viele moralische, oft auch religiös konnotierte Fragen auf. Dürfen wir Menschen, die technischen Möglichkeiten vorausgesetzt, unser Abbild herstellen und wenn ja, wie geht man menschlich damit um? Besteht nicht die Gefahr, dass wir die Abbilder als Menschen zweiter Klasse behandeln, selbst wenn sie uns biologisch zu 100 Prozent gleichen? Wenn diese exakte Deckungsgleichheit besteht, wie kann man Menschen von künstlichen Menschen unterscheiden? Wie geht man mit zwischenmenschlichen Bindungen zwischen echten und künstlichen Menschen um? Wie gehen die künstlichen Menschen mit ihrem Schicksal um, wie würden sie sich uns gegenüber verhalten? Wissen Sie selbst, dass sie künstlich hergestellt wurden?</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Mögliche Antworten auf diese Fragen finden sich bereits in dem Film. Die Profitgier der Menschen hat alle Bedenken links liegen gelassen. <em>More human than human</em> ist der Leitsatz der Replikanten-Hersteller. Die Menschen projizieren ihren althergebrachten Rassismus auf die Replikanten, werden vorsorglich zu Killern, oder zumindest zu deren Auftraggebern, um nur ja nicht zu Opfern zu werden. Einige Replikanten wiederum lehnen sich auf, treten ihren Schöpfern gegenüber. So wie Roy Batty seinem Erbauer Tyrell: »It’s not an easy thing to meet your maker. [...] I want more life, father!«. Die Fahrt mit dem Aufzug zu Tyrells Penthouse, das hoch über dem Morast der restlichen Stadt thront, könnte als Battys Aufstieg in den Himmel, zu seinem Gott gedeutet werden, die Fahrt hinunter, zurück in die Schluchten der Stadt, nachdem er Tyrell getötet hat, als seine Ankunft in der Hölle, als Fall des verlorenen Sohnes. Das Gegensatzpaar Schöpfer/Schöpfung, also Tyrell/Roy Batty, ist aber auch eine Wiederkehr des Frankenstein-Mythos: Frankenstein und Tyrell sind beide Wissenschafter; beide leben zurückgezogen; sowohl das frankensteinsche Monster als auch die Replikaten sind aus der Gesellschaft ausgestoßen; beide realisieren, dass es für sie keine Integrationen, keinen Kompromiss geben wird; beide töten schlussendlich ihren Schöpfer. Beide Geschichten vermitteln uns, dass die Herstellung künstlicher Menschen ein wissenschaftliches Spiel mit dem Feuer ist.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Die Suche nach dem Schöpfer bzw. Gott ist generell ein immer wieder gern verwendeter thematischer Aufhänger im <em>Science Fiction</em>-Film, siehe <em>Star Trek</em> oder auch <em>2001: Odyssee im Weltall</em>. Ian Nathan über die im <em>Blade Runner</em>-Script inkorporierten Fragen und Hintergründe:</span></p>
<p class="MsoNormal" style="padding-left:30px;text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">The film teems with ideas. It is about ecological decay, about race, about sexual politics (notice that all female characters are replicants?), and about the corporatisation of America. It is also a grand parable of mankind’s ever-foiled mission to contend with it’s maker, to meet God and enquire politely why it is we have to die. What could be more human than Batty’s desperate need for more life? What more ambiguous than Deckard’s affinity with death? (Nathan 2007: 110)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Das einzigartige der künstlichen Menschen in <em>Blade Runner</em> ist also, dass sie, getreu dem Firmenmotto ihres Herstellers, auch wenn jenes Motto wohl eher die körperlichen Vorzüge betonen wollte, menschlicher als die menschlichen Charaktere wirken. Sie wollen leben, sie haben Fragen und wollen Antworten darauf, ergeben sich nicht dem Schicksal, sondern versuchen einzugreifen, sie lieben und sie leiden. Ein Indiz für ihre Menschlichkeit ist das immer wieder im Film auftauchende Imago des menschlichen Auges, sowie Glas oder Fenster. Besonders das Auge als <em>Tor zur Seele</em> soll vermitteln, dass eben auch die Replikanten eine Seele besitzen. Wenn man leise Kritik an <em>Blade Runner</em> anbringen will, dann vielleicht jene, dass der Film den künstlichen Menschen fast schon romantisiert.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Während andere Cyborg-Figuren wie z.B. der Terminator nur Gefühlsregungen darstellen, in dem sie lernen auf Menschen so zu reagieren, wie diese es erwarten, sind die Emotionen der Replikanten in <em>Blade Runner</em> echt, was sie zu einer einzigartigen Erscheinung im <em>Science Fiction</em>-Film macht.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Bei all diesen Anknüpfungsversuchen definiert sich der Begriff des Cyborgs nach wie vor als ein Mischwesen aus Mensch und Maschine. Die Replikanten in <em>Blade Runner</em> sind demnach also keine Cyborgs im wissenschaftlichen Sinne, sondern eigenständige, vollständig humane Lebewesen, die wohl mehr mit <em>echten</em> Menschen gemein haben als mit Cyborgs oder Androiden.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Welche Wichtigkeit dieser Differenz zwischen geboren und <em>gemacht</em> dann gegeben wird, falls die Wissenschaft jemals die technischen und finanziellen Möglichkeiten aufbringen und die moralischen Zweifel und Probleme entschärfen bzw. lösen kann, bleibt den <em>von Gottes Hand erschaffenen</em> Menschen überlassen. Die Antwort, die <em>Blade Runner</em> darauf gibt, kennen wir bereits.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><strong><span style="text-decoration:underline;">Medien</span></strong><strong>:</strong></span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Philip K. Dick (1997): <em>Do Androids dream of electric sheep?</em>, Zürich: Haffmanns.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Susan Doll / Greg Faller (1986): »Blade Runner and Genre: Film Noir and Science Fiction«, in: <em>Literature/Film Quarterly</em>, 14. Jg./Heft 2, April 1986, S. 89-100.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Hampton Fancher (2000): <em>Blade Runner – Specia WB edition – Screenplay by Hampton Fancher and David Peoples</em>, Hamburg: Warner Home Video.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Dan Jolin (2007): »The prodigal son. Rutger Hauer on why Roy Batty is the real hero of Blade Runner«, in: <em>Empire</em>, August 2007, S. 114-115.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Ian Nathan (2007): »Empathy Test. Screenwriter David Peoples on the meaning of Blade Runner«, in: <em>Empire</em>, August 2007, S. 110.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Barbara Orland: (2005): »Wo hören Körper auf und fängt Technik an? Historische Anmerkungen zu posthumanistischen Problemen«, in: dies. (Hg.), <em>Artifizielle Körper-Lebendige Technik. Technische Modellierungen des Körpers in historischer Perspektive</em>, Zürich, S. 9-42.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Ridley Scott (1992): <em>Blade Runner</em>, USA: Warner, VHS-Kaufvideo (Director’s Cut).</span><span style="font-size:8pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:8pt;font-family:Garamond;"><strong>Anmerkung des Autors Martin Forster:</strong> Dieser Blog-Eintrag ist außerdem informiert durch die Seminararbeit <em>More human than human?</em>, von mir verfasst für das Forschungsseminar <em>Künstliche Körper – Lebendige Technik</em>, unter der Leitung von Dr. Andrea Seier (Sommersemester 2008, Universität Wien).</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/memorymachines.wordpress.com/150/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/memorymachines.wordpress.com/150/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/memorymachines.wordpress.com/150/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/memorymachines.wordpress.com/150/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/memorymachines.wordpress.com/150/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/memorymachines.wordpress.com/150/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/memorymachines.wordpress.com/150/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/memorymachines.wordpress.com/150/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/memorymachines.wordpress.com/150/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/memorymachines.wordpress.com/150/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/memorymachines.wordpress.com/150/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/memorymachines.wordpress.com/150/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/memorymachines.wordpress.com/150/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/memorymachines.wordpress.com/150/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=memorymachines.wordpress.com&amp;blog=7072581&amp;post=150&amp;subd=memorymachines&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
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		<title>Implantierte Erinnerungen – eine Utopie?</title>
		<link>http://memorymachines.wordpress.com/2009/06/15/implantierte-erinnerungen-%e2%80%93-eine-utopie/</link>
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		<pubDate>Mon, 15 Jun 2009 19:15:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>memorymachines</dc:creator>
				<category><![CDATA[PKD]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Zuge einer psychologisch informierten Lesart von We Can Remember It for You Wholesale stellt sich mittelfristig die Frage, ob Philip K. Dicks Idee der implantierten Erinnerung bloße Fantasie ist, oder ob wir tatsächlich auch in unserer Zeit, in unserer Gesellschaft mit diesem Problem konfrontiert sind. Das treibende Moment der Geschichte ist unleugbar das Motiv [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=memorymachines.wordpress.com&amp;blog=7072581&amp;post=137&amp;subd=memorymachines&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Im Zuge einer psychologisch informierten Lesart von <em>We Can Remember It for You Wholesale</em> stellt sich mittelfristig die Frage, ob Philip K. Dicks Idee der implantierten Erinnerung bloße Fantasie ist, oder ob wir tatsächlich auch in unserer Zeit, in unserer Gesellschaft mit diesem Problem konfrontiert sind.</span></p>
<p style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Das treibende Moment der Geschichte ist unleugbar das Motiv der manipulierten Erinnerung.  Es werden dem Protagonisten zunächst durch den Geheimdienst <em>Interplan</em> falsche Erinnerungen implantiert. Danach möchte er sich selbst Erinnerungen an eine Marsreise ins Gedächtnis pflanzen lassen und als dadurch jene echten Erinnerungen an seine übertünchte Vergangenheit zurückkehren, veranlassen die Machthaber die erneute Löschung dieser <em>vergessen</em> geglaubten Informationen und überspielt sie abermals mit einer neuen Erinnerung an das, was in der Vergangenheit passiert sein soll. </span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Aber ist all dies nur ein Phantasma Dicks, oder sind wir Dingen wie diesen auch in der Realität gegenübergestellt?</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">
<div class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Im Allgemeinen leistet unser Gedächtnis gute Dienste und wir vertrauen unseren Erinnerungen. Doch manchmal können uns diese auch hinters Licht führen. Fehler treten auf, Erinnerungen werden von Verzerrungen entstellt, oder durch Illusionen getäuscht. Daniel L. Schacter schreibt, dass sich im psychologischen Labor des 20. Jahrhunderts gezeigt hat, dass sich entstellte Erinnerungen manchmal aus den Methoden, mit denen das Gedächtnis abgefragt oder aktiviert wird, ergeben. Beispielsweise haben einige Experimente gezeigt, dass der genaue Wortlaut einer Frage zur Vergangenheit darauf Einfluss haben kann, woran sich jemand zu erinnern behauptet. Aber auch gegenwärtige Umstände können sich deformierend auf die Vergangenheit auswirken. (Schacter 2001: 175)<br />
</span>   Zudem haben Kliniker und Therapeuten erkannt, dass der Abrufkontext die Rekonstruktion der Vergangenheit beeinflussen kann. Dass der Analytiker ein entscheidender Bestandteil des Abrufkontextes ist, der zur Festlegung – und eben nicht nur zur Aufdeckung – von Form und Inhalt der Erinnerung des Patienten beiträgt, erkannte Donald Spence im Zuge psychoanalytischer Beobachtungen. Die Worte und Wendungen, die der Psychoanalytiker bemüht, dienen nicht nur dazu, eine schlummernde Erinnerung zu <em>wecken</em> oder zu <em>aktivieren</em>, sondern können unter Umständen auch bestimmen, <em>woran</em> sich der Patient erinnert, und die subjektive Erinnerungserfahrung des Patienten beeinflussen. (Schacter 2001: 177)<br />
<span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">   Hinzu kommt, dass der Patient in der Psychoanalyse, aber auch hinsichtlich anderer Formen der intensiven Psychotherapie, bemüht ist, Erlebnisse wiederzuentdecken, die in der Regel der <em>bewussten</em> Erinnerung nicht zugänglich und also hochproblematisch zu identifizieren sind. (Schacter 2001: 177) Aber auch durch die komplexe Beziehung zwischen Therapeut und Patient, in der der Therapeut für den Patienten zur Autorität avanciert, kann eine mehr oder minder fiktive <em>Übertragung</em> eine Rolle spielen. Dies alles können Gründe dafür sein, warum der Patient zu der Überzeugung gelangt <em>reale</em> Erinnerungen aufgedeckt zu haben.<br />
</span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">   Dieselben Überlegungen gelten für die Hypnose. Die Hypnose ist ein sozialer Prozess, in dem die Befehle und Hinweisreize des Hypnotiseurs den Hypnotisierten durch eine eingebildete Rollenspielsituation dirigieren, so Schacter. (Schacter 2001: 178) Menschen, die auf Hypnose reagieren, neigen bei entsprechenden hypnotischen Befehlen zur Produktion von Gedächtnistäuschungen. Die Ansicht, dass der Hypnotisierte unter einer Art <em>psychologischen</em> <em>Wahrheitsserum</em> steht, das ihn dazu bringt, alle Geheimnisse, die in den tiefen Winkeln seines Unbewussten verborgen liegen preiszugeben, hält sich hartnäckig, obwohl kontrollierte Untersuchungen darauf schließen lassen, dass die Hypnose die Genauigkeit des Erinnerns keineswegs fördert, sondern einen Abrufkontext schafft, der die Bereitschaft des Hypnotisierten steigert, <em>jedes</em> psychische Erlebnis, welcher Art auch immer, als <em>Erinnerung</em> zu bezeichnen. Die Hypnose stärkt das subjektive Vertrauen eines Menschen in die Wahrhaftigkeit der produzierten Erinnerungen, ohne dass es zu einer entsprechenden Zunahme der Genauigkeit kommt.<br />
</span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">   Schacter weist außerdem auf diverse Experimente hin, deren Effekte veranschaulicht haben, dass Hypnotisierte dazu veranlasst werden können, sich an Ereignisse zu erinnern, die nie stattgefunden haben, sondern ihnen vom Hypnotiseur gänzlich suggeriert worden sind. (Schacter 2001: 180) Auch nachdem den Versuchspersonen mitgeteilt wurde, dass der Hypnotiseur die den Erinnerungshaushalt gezielt manipuliert hat, waren die meisten Probanden fest von der lebensnahen Natürlichkeit der gefälschten <em>Erleb-nisse </em>überzeugt.<br />
</span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">   Allein, neuere Untersuchungen über hypnosebasierte <em>Pseudoerinnerungen</em> haben gezeigt, dass diese auch dann bei hoch-hypnotisierbaren Menschen auftreten können, wenn gar keine direkte hypnotische Induzierung stattgefunden hat. Neue Forschungsarbeiten legen analog dazu auch den Schluss nahe, dass sich falsche Erinnerungen an relativ komplexe Erlebnisse auch ohne direkte hypnotische Induzierung provozieren lassen. (Schacter 2001: 182)</span></span></div>
<div class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><br />
</span></span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">In Anbetracht dessen sind Philip K. Dicks <em>implantierte Erinnerungen</em> keine bloßen Fantasieerscheinungen mehr. Die zeitgenössische Psychologie zeigt klar, das Phänomene dergestalt durchaus auch realiter auftreten können. Doch was bedeutet es letztlich, wenn wir uns auf unser Gedächtnis nicht mehr verlassen können?<br />
</span> <span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">  Wozu Fehler des Erinnerns führen können, sieht man z.E. häufig bei falschen Zeugenaussagen vor Gericht, die oft prekäre Fehlentscheidungen, die Beeinträchtigung Unschuldiger mit sich bringen können. Wozu die absolute Manipulierbarkeit des Gedächtnisses noch führen könnte, bleibt unserer Fantasie und Vorstellungskraft überlassen &#8230;</span></span></div>
<p style="text-align:justify;">
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><strong><span style="text-decoration:underline;">Medien</span></strong><strong>:<br />
</strong><br />
Philip K. Dick (1972): »We Can Remember It for You Wholesale«, in: (ders.), <em>The Preserving Machine and Other Stories</em>, England: Pan Books.</span></p>
<p><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Daniel L. Schacter (2001): <em>Wir sind Erinnerung. Gedächtnis und Persönlichkeit</em>, Hamburg: Rowohlt: 2001.</span></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/memorymachines.wordpress.com/137/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/memorymachines.wordpress.com/137/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/memorymachines.wordpress.com/137/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/memorymachines.wordpress.com/137/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/memorymachines.wordpress.com/137/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/memorymachines.wordpress.com/137/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/memorymachines.wordpress.com/137/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/memorymachines.wordpress.com/137/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/memorymachines.wordpress.com/137/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/memorymachines.wordpress.com/137/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/memorymachines.wordpress.com/137/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/memorymachines.wordpress.com/137/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/memorymachines.wordpress.com/137/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/memorymachines.wordpress.com/137/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=memorymachines.wordpress.com&amp;blog=7072581&amp;post=137&amp;subd=memorymachines&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
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		<title>Wir sind Erinnerung?</title>
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		<pubDate>Sat, 16 May 2009 16:03:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>memorymachines</dc:creator>
				<category><![CDATA[PKD]]></category>

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		<description><![CDATA[In Philip K. Dicks Kurzgeschichte We Can Remember It for You Wholesale werden dem Protagonisten Douglas Quail falsche Erinnerungen eingepflanzt. Zuerst um ihn von den Erinnerungen an sein Leben als Auftragskiller am Mars zu entledigen und ein zweites Mal um seine wiedererlangte Erinnerung an seine Vergangenheit erneut zu tilgen. Durch diese Veränderungen seiner Erinnerungen entstehen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=memorymachines.wordpress.com&amp;blog=7072581&amp;post=127&amp;subd=memorymachines&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">In Philip K. Dicks Kurzgeschichte <em>We Can Remember It for You Wholesale</em> werden dem Protagonisten Douglas Quail falsche Erinnerungen eingepflanzt. Zuerst um ihn von den Erinnerungen an sein Leben als Auftragskiller am Mars zu entledigen und ein zweites Mal um seine wiedererlangte Erinnerung an seine Vergangenheit erneut zu tilgen. Durch diese Veränderungen seiner Erinnerungen entstehen neue Identitäten. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Im Folgenden wird versucht, diesen Sachverhalt aus psychologischer Perspektive zu beleuchten. Die Fragen, wie unser Gedächtnis funktioniert und inwieweit unsere Erinnerung unsere Identität bestimmt, sollen Grundlage der Reflexion sein.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">In der Regel ist uns kaum bewusst, dass fast alles, was wir tun oder sagen, von der reibungslosen und raschen Arbeit unserer Gedächtnissysteme abhängt, abgesehen von den Augenblicken, in denen uns unser Gedächtnis im Stich lässt, oder jemand aus unserem näheren Umfeld einen Gedächtnisverlust erleidet, schreibt Daniel L. Schacter in seinem Buch <em>Wir sind Erinnerung</em>. (Schacter 2001: 16)</span></p>
<p class="MsoBodyText" style="text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;"><span style="font-family:Garamond;"><span>   </span>Um unseren Alltag meistern zu können und um selbst die banalsten Dinge zu erledigen, verrichten wir eine Vielzahl an Gedächtnisleistungen. Doch wie funktioniert unser Gedächtnis?</span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Noch vor zwanzig Jahren war es Mode, Gedächtnisinhalte mit Computerdateien zu vergleichen. Diese Dateien sind in einem Speicher abgelegt und bei Bedarf abrufbar. Heute jedoch sind sich Psychologen und Wissenschaftler bewusst, dass auch das subjektive Erleben des Erinnerns eine wichtige Rolle spielt. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Ein ebenfalls wichtiger Punkt den Schacter anspricht ist, dass man zu der Überzeugung gelangt ist, dass das Gedächtnis nicht eine einzige oder einheitliche Fähigkeit des Geistes ist, sondern, dass es sich aus einer Vielzahl verschiedener und gesondert zu betrachtender Prozesse und Systeme zusammensetzt. Jedes System beruht auf einer besonderen Konfiguration von Netzwerken im Gehirn und umfasst verschiedene neuronale Strukturen, die alle eine hochspezialisierte Rolle innerhalb des Systems spielen. (Schacter 2001: 21)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Dadurch entstehen verschiedene Gedächtnisarten, die es uns z.B. ermöglichen Informationen für kurze Zeit zu behalten, Fertigkeiten zu erlernen und Gewohnheiten zu erwerben, alltägliche Gegenstände zu erkennen, uns Informationen begrifflicher Art einzuprägen und uns an bestimmte Ereignisse zu erinnern etc. Ebenfalls stellt Schacter fest, dass Erinnerungen nicht an einer bestimmten Stelle des Gehirns gespeichert werden, dass sie aber auch nicht über das ganze Gehirn verteilt sind, sondern in verschiedenen Teilen des Gehirns verschiedene Aspekte eines Erlebnisses aufbewahrt und durch ein spezielles Gedächtnissystem miteinander verbunden werden. (Schacter 2001: 28)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Auch der Irrglaube, dass Erinnerungen passive oder wortwörtliche Aufzeichnungen der Wirklichkeit seien, kann durch den heutigen Wissensstand bereinigt werden. Inzwischen weiß man, dass wir keine wertfreien Schnappschüsse früherer Erlebnisse speichern, sondern auch die Bedeutungen, die Empfindungen und Gefühle aufbewahren, die uns die Erlebnisse vermittelt haben. So ist es auch kaum verwunderlich, dass wir die Erinnerung an Ereignisse, die gerade stattfinden, nicht von solchen trennen können, die früher passiert sind. Was uns in der Vergangenheit zugestoßen ist, entscheidet darüber, was wir aus dem Strom der täglichen Ereignisse herausgreifen und behalten. Erinnerungen halten demnach fest, <em>wie</em> wir Ereignisse erlebt haben, sind also keine bloßen Kopien derselben. (Schacter 2001: 22)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">In Anbetracht dessen stellt sich nun die Frage inwieweit unsere Identität mit unserer Erinnerung zusammenhängt.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Schon in vorigen Blogeinträgen wurde der Begriff der Identität ausreichend definiert und deshalb sollen an diesem Punkt nicht zusätzliche, womöglich verkomplizierende Details nachgeliefert werden. Betrachtet man den Begriff Identität schlicht als jene Merkmale und Eigenheiten, die ein Individuum von einem anderen unterscheiden, so kann man das Gedächtnis und die persönlichen Erinnerungen nicht von der Identität eines Menschen trennen. Die Ereignisse, die uns zugestoßen sind und die Erfahrungen, die wir gemacht haben, und somit auch die Erinnerung an diese, prägen unsere Persönlichkeit und machen uns zu den Menschen, die wir sind. Wie schon oben erwähnt beeinflussen unsere Erinnerungen auch die Weise, in der wir Gegenwärtiges wahrnehmen und somit auch unser situatives Handeln und Reagieren. Auch unsere Einstellungen und Anschauungen werden unter anderem durch Erfahrungen geprägt. All diese Faktoren sind Teile der Identität.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Daniel L. Schacter meint dazu, dass das Gedächtnis die Grundlage von tiefverwurzelten Überzeugungen bildet, was die eigene Person anbelangt. Patienten mit schweren Kopfverletzungen, denen viele liebgewordene Erinnerungen fehlen, meinen durch diese auch ihr <em>Ich-Gefühl</em> verloren zu haben. (Schacter 2001: 24)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">In <em>We Can Remember It for You Wholesale</em> erlebt der Protagonist gleich zweimal die Manipulation seiner Erinnerung. Somit hat er im Laufe der Geschichte drei verschiedene Identitäten. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><strong><span style="text-decoration:underline;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">Medien</span></span></strong><strong><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">:</span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">Philip K. Dick (1972): »We Can Remember It for You Wholesale«, in: (ders.), <em>The Preserving Machine and Other Stories</em>, England: Pan Books.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"><br />
Daniel L. Schacter (2001): <em>Wir sind Erinnerung. Gedächtnis und Persönlichkeit</em>, Hamburg: Rowohlt: 2001.</span></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/memorymachines.wordpress.com/127/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/memorymachines.wordpress.com/127/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/memorymachines.wordpress.com/127/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/memorymachines.wordpress.com/127/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/memorymachines.wordpress.com/127/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/memorymachines.wordpress.com/127/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/memorymachines.wordpress.com/127/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/memorymachines.wordpress.com/127/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/memorymachines.wordpress.com/127/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/memorymachines.wordpress.com/127/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/memorymachines.wordpress.com/127/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/memorymachines.wordpress.com/127/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/memorymachines.wordpress.com/127/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/memorymachines.wordpress.com/127/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=memorymachines.wordpress.com&amp;blog=7072581&amp;post=127&amp;subd=memorymachines&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Film und Vorlage &#8211; Teil II</title>
		<link>http://memorymachines.wordpress.com/2009/05/06/film-und-vorlage-teil-ii/</link>
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		<pubDate>Wed, 06 May 2009 20:54:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>memorymachines</dc:creator>
				<category><![CDATA[PKD]]></category>

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		<description><![CDATA[In We Can Remember It for You Wholesale und in Total Recall treibt die Sehnsucht an eine bereits gelebte, aber vergessene, verborgene Erinnerung und die Unzufriedenheit seines Lebens, Douglas Quail (in Total Recall: Douglas Quaid) zu einem Unternehmen namens Rekal (in Total Recall: REKALL Inc.), um sich eine lebhafte, gefakte Erinnerung an eine Reise zum [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=memorymachines.wordpress.com&amp;blog=7072581&amp;post=118&amp;subd=memorymachines&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">In <em>We Can Remember It for You Wholesale</em> und in <em>Total Recall</em> treibt die Sehnsucht an eine bereits gelebte, aber vergessene, verborgene Erinnerung und die Unzufriedenheit seines Lebens, Douglas Quail (in <em>Total Recall</em>: Douglas Quaid) zu einem Unternehmen namens <em>Rekal</em> (in Total Recall: <em>REKALL Inc.</em>), um sich eine lebhafte, gefakte Erinnerung an eine Reise zum Mars implantieren zu lassen. Durch den Wunsch, die Menschheit zu retten und sein Ich und seine Identität aufzuwerten, entschließt er sich intuitiv dazu, ein Abenteuer als Geheimagent auf seiner Marsreise erleben zu wollen. Bei dem Versuch der Implantation schlagen die beiden Werke aber unterschiedliche Richtungen ein.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<h1 style="margin:0;"><span style="font-size:10pt;" lang="EN-GB"><span style="font-family:Garamond;">We Can Remember It for You Wholesale</span></span></h1>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Während der Narkose kommt langsam das Gedächtnis von Douglas Quail zurück und er kommt in den Besitz der (echten) Erinnerung an ein vergangenes Leben als Auftragskiller am Mars. Für Quail lässt sich allerdings auf den ersten Blick nicht erkennen, ob es sich bei dieser plötzlichen Erinnerung um eine echte handelt, oder um die in Auftrag gegebene. Aufgrund dessen, dass Quail nun zwischen zwei Identitäten steht und Erinnerungen besitzt, die sich nicht eindeutig zuordnen lassen, entsteht ein innerer Konflikt, der zu einem Verlust-Gefühl führt. Die Polizei überprüft Quail über das Abhören seines Gedächtnisses, seiner Gedanken und Erinnerungen, mithilfe eines <em>Transmitters</em> in seinem Gehirn. Aufgrund der Wiederkehrung seiner zuvor gelöschten Gedanken an den Auftragsmord, soll er liquidiert werden. Ein Deal mit der Regierung verhindert dies. Quail soll eine neue, dritte Identität annehmen, indem ihm erneut neue Erinnerungen eingepflanzt werden sollen, die sein bisheriges Leben komplett überdecken. Bei dem wiederholten Versuch der Implantation kommt es zu weiteren Problemen und dabei kommt ans Tageslicht, dass Quail in seiner Kindheit die gesamte Erdbevölkerung vor einer Invasion von Außerirdischen gerettet hat. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Die totale Kontrolle der Regierung über Douglas Quail, lässt ihn zu einer ›nicht individuellen Identität‹ werden. Das Bewusstwerden über den Verlust des Gedächtnisses und des wahren Ichs, stellen die philosophische Frage nach Quails Identität in ein neues Licht: kann er auch eine vollkommene Identität übernehmen, ohne wahre, erlebte Erinnerungen? Bestimmt das Hier und Jetzt die Identität oder wird die Identität über Erfahrungen und Erinnerungen geformt, um stets eine kontinuierliche Bewegung beizubehalten? Sich allerdings nicht an ein früheres Leben mit dem dazu gehörigen Gedächtnis erinnern zu können, schafft doch auch wieder eine eigenständige Identität mit anderen Erinnerungen. Doch die eigene Identität wird falsch und formlos, wenn ein erfundenes Gedächtnis in einen fremden Körper eingebaut wird und kein angemessenes, ehrliches Identitätsbewusstsein erfolgt.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<h1 style="margin:0;"><span style="font-size:10pt;"><span style="font-family:Garamond;">Total Recall</span></span></h1>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Die Implantation der Mars-Erinnerung läuft während der Narkose schief, Quaid dreht durch und findet sich in der völlig neuen Identität eines Geheimagenten wieder. Unklar bleibt bis zum Schluss, ob diese Identität der fortlaufenden künstlichen Erinnerung von <em>REKALL Inc.</em>, oder ob die Erinnerung der Wahrheit entspricht. Auf der Suche nach der Wahrheit und nach seiner Identität, hilft ihm die Wiedergabe einer Videobotschaft, nämlich von ihm selbst, als Geheimagent in früheren Jahren, namens <em>Hauser</em>. Dieser rät Quaid, auf den Mars zu reisen, um sein wahres Ich und die Hintergründe finden zu können. Eine komplexe, actionreiche Geschichte der Machenschaften baut sich infolge rund um die Wahrheitsfindung auf. Die überraschend aufkommenden geistigen und physiologischen Kampf- und Verteidigungsfähigkeiten Quaids lassen darauf schließen, dass Quaid diese Erfahrung nur aufgrund langjähriger Übungen besitzen kann. Doch Quaid selbst, mit seinem gutmütigen Wesen, möchte dieser Vermutung nicht nachgeben, da er sich mit einem, wie sich später herausstellt, hinterhältigen Hauser auf keinen Fall identifizieren möchte. Bis zum Schluss, kann sich Quaid nicht sicher sein, welchen Erinnerungen und welcher Identität er vertrauen kann: der Erinnerung als Agent Hauser, der Erinnerung als Bauarbeiter Quaid oder der letzten Erinnerung im Implantationsstuhl von <em>REKALL Inc</em>.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Paul Verhoeven hat rund um das Thema Identität, der Frage und Suche nach ihr, zudem neue Identitäten eingeführt: Am Mars leben Mutanten, entstanden durch verseuchte Luft. Die Bewohner werden von Gouverneur Cohaagen nicht nur über <em>Gehirnwäschen</em> gesteuert, sondern auch körperlich beeinflusst. In ihren Facetten wird Identität stark und wiederkehrend thematisiert: Sei es über ältere Videobotschaften eines anderen Ichs (die Botschaft Hausers an Quaid), Fingerabdruck-Identifikation, Illusions-Projektionen des eigenen Ichs zur Abwehr von Feinden, die körperliche Veränderung in Form von Mutanten, ein Douglas Quaid, dessen Erinnerung sich nicht mit seinen Fähigkeiten deckt, etc. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Des Weiteren taucht im Handlungsverlauf ein Abgesandter von <em>REKALL</em> auf, der Quaid weiter in Unruhe versetzt, indem er ihm klarmacht, dass er nicht existiert, er lediglich ein Element seines Traumes sei, eine frei gestaltete Täuschung in Folge eines neurochemischen Traumes. Verschiedene Möglichkeiten der Identität offenbaren sich Quaid und als er den Wunsch äußert, sich zu erinnern um wieder er selbst zu sein, bekommt er die Antwort des Rebellenanführers Kuato: »Man ist, was man tut. Ein Mann definiert sich durch seine Taten, nicht durch seine Erinnerungen.« </span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">(Total Recall: 1990, TC 01:15:00-01:15:09). </span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Besonders stark stellt sich die Frage nach seiner Identität, als Quaid mit seinem früheren Ich, dem <em>bösen</em> Hauser, konfrontiert wird, der sich selbst gegen Quaid ausspielt um sein Ziel zu erreichen. Hauser hat in seinem Leben als Doppelagent wissentlich mehrere Identitäten im Rahmen seiner Arbeit angenommen. Aber ist Identität wirklich austauschbar? Ist es möglich, einen neuen Menschen, auch mit neuen Werten und Gefühlen zu schaffen, indem ausschließlich die Erinnerung an sich selbst gelöscht und neu implantiert wird? Dass es sich hier doch nur um erfundene Science-Fiction handelt, in der sich Paul Verhoeven zwischen Fantasie und Realität bewegt, muss immer wieder vor Augen geführt werden, auch wenn <em>Total Recall</em> mehr als nur ein Action-Film ist. Wenn wir über Arnold Schwarzenegger, Zukunftsvisionen, Action und Blut hinweg sehen, könnte es sich bei <em>Total Recall</em> um einen höchst anspruchsvollen und philosophischen Film handeln, der ein Zusammenspiel aus Kontrolle, Überwachung, Gedächtnis und Identität liefert.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><strong><span style="text-decoration:underline;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Medien</span></span></strong><strong><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">: </span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">Philip K. Dick (1972): »We Can Remember It for You Wholesale«, In: <em>The Preserving Machine and Other Stories</em>, England: Pan Books.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"><br />
Paul Verhoeven (1990): <em>Total Recall</em>, USA: TriStar.</span></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/memorymachines.wordpress.com/118/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/memorymachines.wordpress.com/118/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/memorymachines.wordpress.com/118/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/memorymachines.wordpress.com/118/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/memorymachines.wordpress.com/118/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/memorymachines.wordpress.com/118/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/memorymachines.wordpress.com/118/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/memorymachines.wordpress.com/118/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/memorymachines.wordpress.com/118/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/memorymachines.wordpress.com/118/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/memorymachines.wordpress.com/118/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/memorymachines.wordpress.com/118/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/memorymachines.wordpress.com/118/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/memorymachines.wordpress.com/118/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=memorymachines.wordpress.com&amp;blog=7072581&amp;post=118&amp;subd=memorymachines&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Lockes Papagei</title>
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		<pubDate>Fri, 01 May 2009 15:02:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>memorymachines</dc:creator>
				<category><![CDATA[PKD]]></category>

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		<description><![CDATA[Doug Quail, talking hogs und memor-id   Hybridisierung der Diskurse   Von brainwashing spricht hier natürlich niemand. Und dennoch: Wenn McClane, einer jener Zeitgenossen mit der verdrießlichen Attitüde, die ohnehin reichlich instabile Demarkation zwischen buisnessman und crook gehörig zum Verschwimmen zu bringen, propagiert, dass »die tatsächliche Erinnerung, mit all ihren Unschärfen, Auslassungen und Ellipsen, um [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=memorymachines.wordpress.com&amp;blog=7072581&amp;post=102&amp;subd=memorymachines&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:center;"><span style="font-size:10pt;" lang="EN-GB"><span style="font-family:Garamond;"><strong>Doug Quail, talking hogs und <em>memor-id</em></strong></span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;"><span style="font-family:Garamond;"><strong>Hybridisierung der Diskurse</strong></span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Von <em>brainwashing</em> spricht hier natürlich niemand. Und dennoch: Wenn McClane, einer jener Zeitgenossen mit der verdrießlichen Attitüde, die ohnehin reichlich instabile Demarkation zwischen <em>buisnessman</em> und <em>crook</em> gehörig zum Verschwimmen zu bringen, propagiert, dass »die tatsächliche Erinnerung, mit all ihren Unschärfen, Auslassungen und Ellipsen, um nicht zu sagen Verzerrungen« letztendlich nichts anderes sei als das »minderwertig[e]« (Dick 2002: 587) Pendant zu artifiziellen Memorabilien, dann liegt die Versuchung nicht fern, gleich von artifizieller Identitätskonstruktion zu sprechen. Nichts anderes nämlich legt uns Philip K. Dicks Text <em>We Can Remember It for You Wholesale</em> nahe, als die scheinbar illegitimen Autonomien der Begriffe <em>Identität</em> und <em>Gedächtnis</em> buchstäblich koitieren zu lassen, sie brutal zu synonymisieren, zu hybridisieren, ihre signifikanten Autoritäten einer totalen Indifferenz zum Zweck zu verschweißen, sodass es, ganz dem Telos <em>Interplans</em> gemäß, am Ende gleichgültig wird, welcher der beiden Begriffe zur Disposition steht – wir könnten gleichsam ein Mischvokabel kreieren: <em>memor-id</em>.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Dieses <em>mixtum compositum</em> als die latente Matrix der labyrinthaften interpersonellen – und gemäß der Schlagrichtung der Erzählung gleichsam <em>intra</em>-personellen – Relationen in <em>We Can Remember It for Your Wholesale</em> in Stellung zu bringen, ist Vorsatz der vorliegenden Zeilen. Wir sprechen in Konsequenz nachstehend wiederholt von <em>memor-id</em>, um konstant auf die Simplifizierung diskursiver Schemata hinzuweisen, vermittels derer Dick die vielgeprüfte Psyche seines Protagonisten der Konfusion überantwortet.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p style="margin:0;"><span style="font-family:Garamond;"><strong><em><span style="font-size:10pt;">Interplan</span></em><span style="font-size:10pt;"> und Empirismus</span></strong></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><em><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">memor-id</span></em><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">, pointiert formuliert: <em>Identität identifiziert mit Erinnerung</em>, fungiert dem <em>secret service Interplan</em> als Basishypothese, so es darum geht, ehemalige Mitarbeiter einer Persönlichkeitstransformation zu unterziehen. Die futuristische Camouflage, in der uns Dick seine gedanklichen Architekturen präsentiert, scheint uns folgerichtig darauf zu verweisen, dass hier mit hochaktuellen, mit prophetischen, mit brisant prognostischen Aperçus hantiert wird – und so mag den einen oder anderen der Umstand wohl nicht unüberrascht lassen, dass die Ursprünge des <em>memor-id</em>-Konstrukts mindestens ins Jahr 1694 rückzudatieren sind, dem Jahr nämlich, da der englische Empiriker John Locke eine um das unheilschwangere Kapitel <em>Identity and Diversity</em> erweiterte Fassung seines Essays <em>Concerning Human Understanding</em> zu publizieren sich anschickte. Damit war die Philosophiegeschichte um die erste konkrete Identitätstheorie reicher geworden (Glomb 2004: 277), eine ganze Subdisziplin war, schier im lockeren Vorüberflanieren, etabliert, eine folgenschwere Kontroverse nahm ihren Lauf.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Die fiktiven Blendwerke <em>Interplans</em> sind demgemäß lediglich als Mikromoment einer traditionsreichen Diskussion vorzustellen – und es ist in der Tat bemerkenswert, auf welch unumständliche Weise das dicksche Kalkül rund um die psychische Dissoziation seines Helden Doug Quail sich durch die Argumentführung John Lockes untermauern lässt. Den massiven Anstrengungen David Humes, im 18. Jahrhundert die Rechtfertigungen seines Vorgängers Locke über den Weg einer massiven Radikalisierung zu kompromittieren und der kritizistischen Philosophie zum Trotz, beglaubigt die Integration der <em>memor-id</em>-Thesis in den vergleichsweise jungen Problemkosmos Philip K. Dicks die nach wie vor effektive Attraktivität derselben. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p style="margin:0;"><span style="font-size:10pt;"><span style="font-family:Garamond;"><strong>Begriffsscheidungen</strong></span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Ganz einer adäquaten wissenschaftlichen Praxis gemäß sondiert John Locke zu Beginn seiner Reflexion sein begriffliches Instrumentarium. </span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">Den Ausgangspunkt bildet die Placierung einer noch sehr allgemein gehaltenen Definition, wonach Identität stets an den Fortbestand einzelner Existenzen gebunden ist: »For we never finding, nor conceiving it possible, that two things of the same kind should exist in the same place at the same time, we rightly conclude, that, whatever exists anywhere at any time, excludes all of the same kind, and ist there itself alone.« </span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">(Locke 2008: 33) Dass wiederum zwei Dinge gleicher Natur (<em>two things of the same kind</em>) raumzeitlich nicht interferieren können, hängt damit zusammen, dass jeder Existenz eine spezifische Raumzeit ihrer Entstehung eignet, d.i. »one thing cannot have two beginnings of existence« (Locke 2008: 33) – Locke stimmt hier übrigens insofern mit seinem Kritiker David Hume überein, als beide es ein und derselben Existenz nicht zugestehen, im selben Moment sich an zwei differenten Orten aufzuhalten: Ortswechsel vollziehen sich stets über den Verlauf der Zeit, oder wie Hume sagt: »[T]he principle of individuation is nothing but the invariableness and uniterruptedness of any objekt, thro’ a suppos’d variation of time« (Hume 2008a: 160).</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Ausgehend von dieser Annahme tastet sich Locke an die Selektierung des Identitätsbegriffs in einen essentialistisch und einen dezidiert antiessentialistisch motivierten Modus (Glomb 2004: 277). Ersteren generiert er naturgemäß anhand der Analyse ausschließlich substanzbasierter, d.i. pflanzlicher und animalischer, Lebensformen, wobei Locke jedes Mal mit derselben Konklusion schließt – nämlich, dass Identität stets »in one fitly organized body, taken in any one instant, and from thence continued, under one organization of life, in several successively fleeting particles of matter united to it« (Locke 2008: 37) bestehe. D.i. hier wird ein Definitionsversuch vorgelegt, dessen Ziel darin besteht, ein spezifisches <em>Leben</em> vom anderen zu unterscheiden; dabei erweisen sich drei zentrale Paradigmen als entscheidend: An einem gewissen Raumzeitpunkt entsteht eine in sich geschlossene, einzigartige, sich fortsetzende Existenz (<em>continued life</em>), die materiell zwar alterniert (<em>fleeting particles of matter</em>), jedoch stets an dasselbe leibliche System (<em>organized body</em>) gekoppelt ist. Mit einem Vokabel Gottfried Wilhelm Leibniz’, eines deutschen Zeitgenossen Lockes, bezeichnet die obige Auslegung die sogenannte »physische [...] Identität« (Leibniz 1999c: 91) einer Existenz; Locke etabliert an anderer Stelle das prägnante, jedoch nicht undelikate Etikett »identity of life« (Locke 2008: 41).</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Allein, auf Basis dieser Darlegungen lässt sich die Identität ein und desselben Menschen nur bedingt fixieren. Der Mensch nämlich ist zwar auch nur »an animal of such a certain form«, aber er ist eben überdies »a thinking intelligent being, that has reason and reflection, and can consider itself as itselt, the same thinking thing, in different times and places; which it does only by consciousness« (Locke 2008: 38f) – was den Menschen mithin offensichtlich vom Tier unterscheidet, das ist sein (Selbst-)Bewusstsein.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Hier ist der Punkt erreicht, an dem John Locke gegen den Essentialismus, d.i. eine die Substanz exponierende Politik, eine Opposition in Stellung zu bringen sich gezwungen sieht: Er differenziert folglich zwischen einerseits einer »Identity of Man« (Locke 2008: 36), andererseits jedoch einer »Personal Identity« (Locke 2008: 39).</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p style="margin:0;"><span style="font-size:10pt;"><span style="font-family:Garamond;"><strong>Parrots, Hogs und der König von China</strong></span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Anspielend auf den religionsaffinen Glauben an Transmigration verteidigt Locke seine zwingende Bindung des Identitätsbegriffs an eine einzelne (in der physischen Genese beobachtbare) Existenz mit der süffisanten Bemerkung, dass, läge er falsch, jedes beliebige Schwein die Seele eines großen Philosophen oder Politikers, beispielsweise Heliogabalus’, transportieren könnte: »But yet I think nobody, could he be sure that the soul of Heliogabalus were in one of his hogs, would yet say that hog were a man or Heliogabalus.« (Locke 2008: 37) Kuriositäten dergestalt gehören in der Praxis lockescher Gedankenexperimente hinwieder durchaus nicht den Exzeptionen an. Was hier nämlich bereits deutlich wird, namentlich, dass sich Gattungsbegriffe wie <em>Tier</em> oder <em>Mensch</em> ausschließlich aus der Verfasstheit der oben besprochenen <em>physischen Identität</em> heraus erklären, tritt umso transparenter hervor, wenn Locke anhand eines ähnlichen Exempels erste essentielle Unterschiede zwischen der <em>personalen</em> respektive der <em>physischen Identität</em> statuiert: »[W]hoever should see a creature of his own shape or make, though it had no more reason all its life than a cat or a parrot, would call him still a man« (Locke 2008: 38). Revers gelesen hat das freilich zu bedeuten, dass Lockes noch so brillant räsonierendem Papagei niemals der Status eines Menschen, einer <em>identity of man</em>, eignen könne.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">   Sinnierende Borstentiere und bauernschlaue Vögel – der locksche Streichelzoo manifestiert die Krisis des Identitätsbegriffs; und dennoch: Die angestrebte Sektoralisierung des Problems in zwei distinkte Deutungsebenen wird zunehmend anschaulich – zwischen den beiden Polen <em>consciousness</em> und <em>body</em> spannt sich ein Antagonismus auf, den John Locke, ganz den Gepflogenheiten des Empirismus gemäß, über die spezifischen Modi menschlicher Perzeption zu argumentieren sucht. Diese lägen vornehmlich darin, dass der <em>Mensch</em> – so er gleichsam <em>Person</em> ist – nicht nur wahrnimmt, sondern es außerdem vermag, diesen Akt just zu reflektieren: »[I]t being impossible for any one to perceive without perceiving that he does perceive« (Locke 2008: 39).</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Aus dem cartesianischen Diktum des sich über das Denken generierenden Seins transformiert sich hier folglich eine paraphrasierende Drehung hin zu einem Primat der Sinneseindrücke: <em>percipio ergo sum</em>.<span>  </span>Exakt an diesem Punkt rechtfertigt sich der Nexus dieser dreihundertjährigen Explikationen zu Philip K. Dick; denn, mich selbst von anderen unterscheiden zu können – »the sameness of a rational being« – bedeutet <em>personale Identität</em>. </span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">Hierauf nun folgt unbeirrt die entscheidende Sentenz: »[A]s far as this consciousness can be extended backwards to any past action or thought, so far reaches the identity of that person« (Locke 2008: 39).</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Als Erbe Lockes wird David Hume schließlich die hier kenntlich gemachte Zentralisierung eines explizit über Sinneseindrücke gespeisten Bewusstseins bis zur Entgrenzung dessen, was gemeinhin als <em>Selbst</em> bezeichnet wird, zu radikalisieren trachten. Hume wird argumentieren, dass bewusst nur sein kann, was einmal über die Sinne aufgenommen – darauf gründet die notorische, weil überstarke <em>copy-These</em>: »Alle unsere Ideen [...] sind Kopien unserer Eindrücke« (Hume 2007: 28). Im Gegensatz zu Locke ist es dem Skeptiker Hume jedoch nicht möglich, eine Rahmung der Perzeptionen fixieren: »[T]<em>he mind never perceives any real connexion among distinct existences</em>« (Hume 2008b: 176). Unseren diversen Perzeptionen als distinkten Existenzen fehlt nun laut Hume also ein evidentes, d.i. ein konkret wahrnehmbares, Ich als Behältnis, als Überwindung und Integration des Disparaten; d.i. »[i]ch bin gewissermaßen meine Vorstellungen« (Klemme 2007: 88), tatsächliche Identität jedoch ist eine Illusion.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Ungeachtet der differenten Tendenzen, scheint die Hegemonie des Gedächtnisses binnen jenes Systems, das Locke als <em>consciousness</em>, Hume als <em>mind</em> bezeichnet, jedoch in beiden Positionen konsolidiert. Nichtsdestotrotz wurde ebendiese hierarchische Strukturation infolge zum Angriffpunkt mannigfaltiger Beanstandungen – u.a. gereicht Locke ein schlampiger Umgang mit relevanten Termini zum Vorwurf: Seine Vorstellung von Bewusstsein scheint bipolar formiert, d.i. eine symmetrische Annordnung gegenwärtiger Handlungen und Wahrnehmung sowie bereits vergangener und also konservierter Eindrücke widerzuspiegeln – eine bedenkliche Simplifizierung, die Thomas Reid, einen deklarierten Opponenten dieser sogenannten <em>memory theory</em>, zur unerhörten Aussage verleitet: »It is impossible to understand the meaning of this, unless by consciousness be ment memory« (Reid 2008: 115).</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Reids temperamentvoller Untergriff ist insofern interessant, als seine Gleichsetzung umso drastischer anmutet, so man Lockes genuine Darstellung von Schleifen einander synonymer Begriffe mit einbezieht: »[P]ersonal identity can by us be placed in nothing but consciousness (which is that alone which makes what we call self)« (Locke 2008: 48). Überspitzt formuliert mündet diese Argumentation letztlich in die relationale Kette <em>personal identity</em> gleich <em>self</em> gleich <em>consciousness</em> gleich <em>memory</em> – womit prompt jener Nährboden bestellt ist, da das Schicksal Doug Quails schließlich empor wachsen wird.</span></p>
<p class="MsoBodyText" style="text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;"><span style="font-family:Garamond;"><span>   </span>Die Implikationen sind verquer: Gemäß dem lockeschen Reglement definieren wir uns ausschließlich über unser augenblickliches Tun und Wahrnehmen, mehr noch aber darüber, was wir einst getan und wahrgenommen haben. Dadurch wird beispielsweise unsere Frühkindheit, die ja zweifellos einen entscheidenden Teil unserer Lebensidentität darstellt, aus unserer gegenwärtigen <em>personal identity</em> exkludiert – schlechterdings deshalb, da wir über keine erinnerungsaffinen Residuen aus dieser Zeit verfügen. Italo Calvino, ein herausragender Vertreter der literarischen Postmoderne, wird sich im späten 20. Jahrhundert zu einem indirekten Apologeten Lockes deklarieren, dann nämlich, wenn er meint, das Ich danach fassen zu können, was es eben <em>nicht</em> ist: »[D]as Wegwerfen [ist] die erste unverzichtbare Bedingung des Seins [...], weil man immer das ist, was man nicht wegwirft« (Calvino 1997: 85f) – eine luzide Sentenz der Locke bestimmt die Paraphrase ›<em>Ich</em> heißen jene Erinnerungen, die wir nicht wegwerfen‹, will sagen: ›wir sind, was wir nicht vergessen‹, abgewinnen würde.</span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Der barocke Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz reagierte auf diese Vorstöße Lockes direkt mit einer pointierten Illustrierung derselben: </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoBodyTextIndent" style="text-align:justify;margin:0 0 0 1cm;"><span style="font-size:10pt;"><span style="font-family:Garamond;">Nehmen wir an, daß irgendein Individuum plötzlich König von China werden sollte, unter der Bedingung jedoch, das zu vergessen, was er gewesen ist, so als ob es ganz von neuem geboren worden wäre – ist das nicht in der Praxis oder hinsichtlich der Wirkungen, die man wahrnehmen kann, genau dasselbe, als ob es vernichtet werden sollte [...]? (Leibniz 1999b: 90)</span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Das in <em>We Can Remember It for You Wholesale</em> indizierte Sujet könnte just diesem gedanklichen Experiment entstammen – die Tendenzen der beiden Geschichten sind ident. Doug Quail war einst König von China, war einst auf dem Mars, war einst der Retter der Erde – doch die Panzerung eines implantierten Gedächtnisses erweist sich einer tatsächlichen Erinnerung nunmehr als nonpermiabel: Quail wäre demnach »beginning a new account from a new period« mit einem Bewusstsein »that cannot reach beyond this new state« (Locke 2008 43) – eine neue personale Identität beginnt vorbehaltlos zu expandieren &#8230; <em>als wäre die alte vernichtet worden</em>.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p style="margin:0;"><span style="font-size:10pt;" lang="EN-GB"><span style="font-family:Garamond;"><strong>Same man, different identity</strong></span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Es wurde hinlänglich deutlich, dass Locke ein begriffliches Instrumentarium liefert, das es erlaubt, die Situation Douglas Quails konzise zu umreißen – die <em>memor-id</em>-Hypothese zeichnet sich vorzüglich im Drangsal des dickschen Protagonisten ab. Sein Lebensverlauf durchquert drei interdependente Ebenen der Genese personaler Identität(en): Das Hauptverhängnis seiner Identitätsarbeit spiegelt sich freilich in seiner folgenschweren Konfrontation mit extraterrestrischen Lebensformen in jungen Jahren; der zweite massive Einschnitt in die Konturen seines Selbst vollzieht durch die Infiltration seines Erinnerungsrepertoires durch den Geheimdienst <em>Interplan</em>; final markiert die Intervention <em>Rekals</em>, jener Korporation also, die artifizielle Memorabilien zu vertreiben sich bemüht, den dritten und letzten <em>twist</em> der alles andere als progressiv sich gebärdenden Identitätsentfaltung Quails.<span>  </span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Jedes dieser drei Stadien einer entstellten Charakterbildung funktioniert ausschließlich auf Basis der <em>memor-id</em>-Hypothese. Insofern Identität als Identifikation des Selbst mit sich Selbst und also als Identifikation des Selbst mit den sich im Bewusstsein organisierenden Erinnerungen begriffen wird, behauptet der Plot die apodiktische Widerspruchslosigkeit seines Verlaufs. Und dennoch stellt Philip K. Dick dem Leser eine Falle: Im Kontext der aus dem Ruder laufenden Lobotomie Quails bei <em>Rekal inc.</em> legt er einem der Laboranten folgende Worte in den Mund: »Irgendwo [...] hat man seine bewußten Erinnerungen gelöscht; er wußte nur noch, daß zum Mars zu reisen für ihn von besonderer Bedeutung war [...]. Das konnten sie nicht löschen; das ist nämlich keine Erinnerung, sondern ein Wunsch« (Dick 2002: 521f). Die Figur des Wünschens, der Sehnsucht und des Triebs kehrt infolge mehrfach wieder und legt der Interpretation klandestin das Abandonnement Lockes nahe: So es nämlich neben dem Bewusstsein <em>qua</em> Bewusstsein über Gegenwärtiges und Vergangenes noch eine zusätzliche Facette der Identitätskonstitution, namentlich den <em>Wunsch</em>, zu respektieren gäbe, würde das die Obsoletwerdung der <em>memor-id</em>-Architektur bedeuten. Eine Lesart unter ebendieser Perspektive scheint weit eher Freud, oder mehr noch Deleuze und Guattari als desktriptive Autoritäten vorzuschlagen, als den englischen Empirismus. Dennoch: Locke kann sich halten. Wieso? – Der vermeintliche Wunsch Quails, die Sehnsucht nach einer Autoinszenierung als Weltenretter, entpuppt sich letztlich ebenfalls als <em>tatsächliche Erinnerung</em> – nur eben als eine dermaßen machtvollkommene, dass die Bemühungen <em>Interplans</em> es nicht vermögen, sie zu kaschieren.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span><em>Alles in diesem Text ist Erinnerung</em> – und John Locke gibt für diese Erkenntnis die Vorgaben: Doug Quail bleibt gemäß einer kontinuierlichen, physisch einheitlichen <em>identity of life</em> die gesamte Handlung über derselbe Mensch. Die diversen <em>Personen</em>, die seinem Leben inhärieren, wechseln jedoch analog den Veränderung seines Gedächtnisapparates. Charakterliche Einheit als <em>personal identity</em> wird zerstört und neu geboren – der einzelne Mensch avanciert zur opulenten <em>Personnage</em>.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><strong><span style="text-decoration:underline;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Medien</span></span></strong><strong><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">:</span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Italo Calvino (1997): »Die Mülltonne«, in: (ders.), <em>Die Mülltonne und andere Geschichten</em>, übersetzt von Burkhart Kroeber, München: dtv.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Philip K. Dick (2002): »Erinnerungen en gros«, übersetzt von Thomas Mohr, in: (ders.), <em>Der unmögliche Planet. Stories</em>, München: Heyne.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Stefan Glomb (2004): »Identitätstheorien«, in: Ansgar Nünning (Hg.), <em>Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie</em>, Stuttgart: Metzler.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">David Hume (2007): <em>Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand</em>, übersetzt von Raoul Richter, durchgesehen und kommentiert von Lambert Wiesing, Frankfurt a.M.: Suhrkamp.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">David Hume (2008a): »Our Idea of Identity«, in: John Perry (Hg.), <em>Personal Identity</em>, Berkeley/L.A./London: University Of California Press.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">David Hume (2008b): »Second Thoughts«, in: John Perry (Hg.), <em>Personal Identity</em>, Berkeley/L.A./London: University Of California Press.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Heiner F. Klemme (2007): <em>David Hume zur Einführung</em>, Hamburg: Junius.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Gottfried W. Leibniz (1999a): »Theodizee«, in: Martin Brasser (Hg.), <em>Person. Philosophische Texte von der Antike bis zur Gegenwart</em>, Stuttgart: Reclam.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Gottfried W. Leibniz (1999b): »Metaphysische Abhandlung«, in: Martin Brasser (Hg.), <em>Person. Philosophische Texte von der Antike bis zur Gegenwart</em>, Stuttgart: Reclam.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Gottfried W. Leibniz (1999c): »Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand«, in: Martin Brasser (Hg.), <em>Person. Philosophische Texte von der Antike bis zur Gegenwart</em>, Stuttgart: Reclam.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">John Locke (2008): »Of Identity and Diversity«, in: John Perry (Hg.), <em>Personal Identity</em>, Berkeley/L.A./London: University Of California Press.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"><br />
Thomas Reid (2008): »Of Mr. Locke’s Account of Our Personal Identity«, in: John Perry (Hg.), <em>Personal Identity</em>, Berkeley/L.A./London: University Of California Press.</span></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/memorymachines.wordpress.com/102/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/memorymachines.wordpress.com/102/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/memorymachines.wordpress.com/102/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/memorymachines.wordpress.com/102/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/memorymachines.wordpress.com/102/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/memorymachines.wordpress.com/102/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/memorymachines.wordpress.com/102/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/memorymachines.wordpress.com/102/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/memorymachines.wordpress.com/102/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/memorymachines.wordpress.com/102/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/memorymachines.wordpress.com/102/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/memorymachines.wordpress.com/102/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/memorymachines.wordpress.com/102/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/memorymachines.wordpress.com/102/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=memorymachines.wordpress.com&amp;blog=7072581&amp;post=102&amp;subd=memorymachines&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Identität im Dick-Kosmos</title>
		<link>http://memorymachines.wordpress.com/2009/04/28/identitat-im-dick-kosmos/</link>
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		<pubDate>Tue, 28 Apr 2009 21:46:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>memorymachines</dc:creator>
				<category><![CDATA[PKD]]></category>

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		<description><![CDATA[Je näher man sich mit Philip K. Dicks Fiktion auseinandersetzt, desto mehr wird man feststellen, dass sich durch einen Großteil seines Oeuvres immer wieder zwei existenzialistische Fragen schlängeln. Hinter den oft etwas wirr erscheinenden Storylines seiner Romane, mit ihrem hin und her Pendeln zwischen verschiedenen Dimensionen, oder Wahrheiten, wie er es wohl selbst genannt hätte, [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=memorymachines.wordpress.com&amp;blog=7072581&amp;post=85&amp;subd=memorymachines&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Je näher man sich mit Philip K. Dicks Fiktion auseinandersetzt, desto mehr wird man feststellen, dass sich durch einen Großteil seines Oeuvres immer wieder zwei existenzialistische Fragen schlängeln. Hinter den oft etwas wirr erscheinenden Storylines seiner Romane, mit ihrem hin und her Pendeln zwischen verschiedenen Dimensionen, oder <em>Wahrheiten</em>, wie er es wohl selbst genannt hätte, liegen oft philosophische Ideen, die er spielerisch mit den Charakteren und ihren Handlungen austestet. Während seine Werke zwar in zukünftigen Welten spielen, ob in Utopien oder Dystopien sei dahingestellt, sind sie doch immer Geschichten, die ihre Wurzeln in der Gegenwart haben: in seinem Leben, in der Gesellschaft in der er lebte, in der Welt in der er sich bewegte.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">   Was sind nun also diese Fragen, die in Dicks Geschichten immer wiederkehren? Man könnte die Frage auch so stellen: Welche sind die großen existenzialistischen Fragen, die wir uns selber immer wieder stellen?<br />
</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">1. Was macht uns zu Menschen?<br />
</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0 0 0 1cm;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">There is amongst us something that is bi-pedal humanoid, morphologically identical to the human being but which is not human. It is not human to complain, as one SS man did in his diary, that starving children are keeping you awake. And there, in the 40s, was born my idea that within our species is a bifurcation, a dichotomy between the truly human an that which mimics the truly human. </span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">(Morrison 1990: 3)<br />
</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">2. Was ist real und wie können wir uns unserer Realität sicher sein?<br />
</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0 0 0 1cm;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0 0 0 1cm;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">We live in a society in which spurious realities are manufactured by the media, by governments, by big corporations, [...]. I ask, ›What is real?‹ Because increasingly we are bombarded by pseudo-realities manufactured by very sophisticated people using very sophisticated mechanisms. (Smith 2007: 123)<br />
</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0 0 0 1cm;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Das Werk von Philip K. Dick ist somit nicht nur voll von Pseudo-Realitäten und verschobenen Wahrnehmungen, sondern auch von Pseudo-Identitäten.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">   Dicks Charaktere sind somit keine klassischen Helden, obwohl die verschiedenen Hollywood-Verfilmungen seiner Geschichten dies vermuten lassen, sondern viel mehr Anti-Helden, die den Überblick verlieren, die glauben verrückt zu sein bzw. zu werden. Von einer Sekunde auf die andere wird ihre komplette Lebenswahrheit als Lüge, als Implantat, als Fälschung, enttarnt und wir werden Zeuge ihrer Reaktionen. Oft genug tragen seine Anti-Helden biographische Züge, man kann Dick bei der Suche nach seiner eigenen Identität beiwohnen, wie z.B. in der <em>Valis-Trilogie</em> oder auch in <em>Radio Free Albemuth</em>.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">   Das Gedächtnis und seine Funktionen beschäftigen Philip K. Dick in seinen Fiktionen auf mehreren Ebenen: im Bewusstsein, im Unterbewusstsein, und sogar nach dem Tod. So können in <em>Ubik</em> Menschen Kontakt zu Verstorbenen herstellen, deren Gehirn in einer medizinischen Einrichtung in der Schweiz gelagert ist.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Erinnerungen werden zur Grundlage von Identität, gehen diese Erinnerungen verloren oder werden sie gelöscht, stehen Dicks Charaktere vor dem Rätsel ihrer eigenen Existenz. Besonders in <em>Do Androids Dream of Electric Sheep?</em>, der Romanvorlage zum Film <em>Blade Runner</em>, wird dies deutlich: die Menschheit hat sich also eine Gesellschaft zweiter Klasse gezüchtet, der sie nur vier Jahre Lebenserwartung zugesteht. Um diesen <em>Replikanten</em> einen <em>emotionalen Polster </em>zu geben, werden ihnen Erinnerungen implantiert. Erinnerungen an ein Leben, dass sie nie hatten, Erinnerungen die anderen Menschen ›gehören‹.<span> </span>Notwendig ist dies, da sie sonst aufgrund der fehlenden Lebenserfahrung emotional einer Überstimulation zum Opfer fallen würden. Trotzdem entwickeln die Replikanten Gefühle und hegen und pflegen Ihre Vergangenheit, in <em>Blade Runner</em> oft symbolisiert durch Fotos.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">   Ein wieder anderer Fall für die Infragestellung der eigenen Identität passiert in <em>Minority Report</em>. Hier sind es nicht verlorene Erinnerungen oder Implantationen, die das Gefüge der Existenz durcheinanderbringen, sondern von sogenannten <em>Pre-Cogs</em> vorhergesehene Ereignisse. Durch die Vorhersage der Zukunft einzelner Personen wird ihr bisheriges Leben und Tun in Frage gestellt.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">   Nicht zuletzt zeigt Philip K. Dick in einer Vielzahl seiner Werke auf, dass man unsere eigene Existenz, unsere Lebensrealität, ständig hinterfragen kann und muss. Gerade im Zeitalter der elektronischen Medien, das die Produktionen von Medien-Realitäten auf eine bisher unerreichte Ebene treibt.<br />
</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><strong><span style="text-decoration:underline;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">Medien</span></span></strong><strong><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">:</span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"><br />
Philip K. Dick (1997): <em>Do Androids dream of electric sheep?</em>, Zürich: Haffmanns.</span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"><br />
Philip K. Dick (2008): <em>Radio Free Albemuth</em>, London: HarperCollins.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">Philip K. Dick (2004): <em>The Simulacra</em>, London.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Philip K. Dick (2003): <em>Ubik</em>, München: Heyne.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Philip K. Dick (2002): <em>Valis</em>, München: Heyne.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">Philip K. Dick (1972): »We Can Remember It for You Wholesale«, In: <em>The Preserving Machine and Other Stories</em>, England: Pan Books.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">K. W. Jeter (1997): <em>Blade Runner II</em>, Zürich: Haffmanns.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">Dan Jolin (2007): »The prodigal son. Rutger Hauer on why Roy Batty is the real hero of Blade Runner«, in: <em>Empire</em>, August 2007, S. 114-115.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Bruno Latour (2006): »Technik ist stabilisierte Gesellschaft«, in: A. Bellinger/D. Krieger (Hg.), <em>ANThology. Ein einführendes Handbuch zur Akteur-Netzwerk-Theorie</em>, Bielefeld 2006, S. 369-397.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Hans Jörg Marsilius (1996): »Zwischen Realität und Illusion«, in: <em>Film-Dienst</em>, 49. Jg/Heft 16, Juli 1996, S. 4-7.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Marshall McLuhan (1968): »Das Medium ist die Botschaft«, in: ders., <em>Die magischen Kanäle</em>, Düsseldorf/Wien 1968, S. 13-28.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">Rachela Morrison (1990): »The Blakean Dialectics of Blade Runner«, in: <em>Literature/Film Quarterly</em>, Jg. 18/Heft 1, Jänner 1990, S. 2-10.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">Ian Nathan (2007): »Empathy Test. Screenwriter David Peoples on the meaning of Blade Runner«, in: <em>Empire</em>, August 2007, S. 110.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">James Pontolillo (2008) : »Thresholds of Splendor: Mythic and Symbolic Subtexts in Blade Runner«, auf: <em>2019: Off-World</em> (Blade Runner Page), <em><a href="http://scribble.com/uwi/br/jp_essay.html"><span style="color:#0000ff;">http://scribble.com/uwi/br/jp_essay.html</span></a></em>, am: 10.08.2008.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">Peter Ruppet (1989): »Blade Runner – The utopian dialectics of the science fiction films«, in: <em>Cineaste</em>, 12. </span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Jg./Heft 2, Februar 1989, S. 8-13.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">Ridley Scott (1982): <em>Blade Runner</em>, USA: Warner.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">Adam Smith (2007): »The Unreality Show: What the movies made of Philip K. Dick«, in: <em>Empire</em>, August 2007, S. 123.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">Steven Spielberg (2002): <em>Minority Report</em>, USA: 20th Century Fox.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Jakob Tanner (2005): »Leib-Arte-Fakt. Künstliche Körper und der technische Zugriff auf das Leben«, in: Barbara Orland (Hg.), <em>Artifizielle Körper-Lebendige Technik. Technische Modellierungen des Körpers in historischer Perspektive</em>, Zürich 2005, S. 43-61.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Eva-Maria Trischak (2002): <em>Gender und Technik im Cyborg-Film. The Terminator, Terminator 2, Blade Runner und I.K.U</em>, Wien: Dipl.-Arb., 2002.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Paul Verhoeven (1990): <em>Total Recall</em>, USA: TriStar.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"> </p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/memorymachines.wordpress.com/85/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/memorymachines.wordpress.com/85/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/memorymachines.wordpress.com/85/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/memorymachines.wordpress.com/85/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/memorymachines.wordpress.com/85/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/memorymachines.wordpress.com/85/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/memorymachines.wordpress.com/85/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/memorymachines.wordpress.com/85/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/memorymachines.wordpress.com/85/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/memorymachines.wordpress.com/85/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/memorymachines.wordpress.com/85/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/memorymachines.wordpress.com/85/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/memorymachines.wordpress.com/85/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/memorymachines.wordpress.com/85/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=memorymachines.wordpress.com&amp;blog=7072581&amp;post=85&amp;subd=memorymachines&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Film und Vorlage &#8211; Teil I</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Apr 2009 21:20:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>memorymachines</dc:creator>
				<category><![CDATA[PKD]]></category>

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		<description><![CDATA[We Can Remember It for Your Wholesale vs. Total Recall   Inspiriert von und auf Basis der Kurzgeschichte We Can Remember it For You Wholesale von Philip K. Dick aus dem Jahr 1966, operiert der 1990 veröffentlichte Film Total Recall des niederländischen Regisseurs Paul Verhoeven.    In den beiden Teilen dieser Analyse soll behandelt werden, auf welche Weise [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=memorymachines.wordpress.com&amp;blog=7072581&amp;post=65&amp;subd=memorymachines&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:center;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><strong><em>We Can Remember It for Your Wholesale</em> vs.<em> Total Recall</em></strong></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Inspiriert von und auf Basis der Kurzgeschichte <em>We Can Remember it For You Wholesale</em> von Philip K. Dick aus dem Jahr 1966, operiert der 1990 veröffentlichte Film <em>Total Recall</em> des niederländischen Regisseurs Paul Verhoeven.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>In den beiden Teilen dieser Analyse soll behandelt werden, auf welche Weise Paul Verhoeven in seiner Verfilmung die Behandlung der Aspekte <em>Gedächtnis</em> und <em>Identität</em> aus der Vorlage übernommen hat. Spielt die unterschwellige Thematisierung von Gedächtnis- und Identitätsproblematiken auch in <em>Total Recall</em> eine Rolle bzw. ist der Regisseur ihr treu geblieben? Werden die Dimensionen von <em>Gedächtnis und Identität </em>anders positioniert und verändert sich ihr Kontext? Oder gestaltet sich die Suche nach der Wirklichkeit ohnehin lediglich über Elemente wie Action, Spannung und Fantasy? Geht in dieser Science-Fiction-Verfilmung die elementare Frage nach Identität zwischen Fantasie und Realität gänzlich verloren, oder bekommt sie dennoch einen psycho-philosophischen Stellenwert? In welchen Formen und Arten wird Identität thematisiert? Fragen dergestalt sollen hier beantwortet werden – zuallererst sind allerdings diverse Bedeutungen des Wortes Identität im Überblick aufzuzeigen.</span></p>
<p class="MsoBodyText" style="text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;"><span style="font-family:Garamond;"><span>   </span>Unterschiedliche Erklärungen und Theorien prägen den Begriff der Identität, sei dies auf psychologischer oder philosophischer Ebene. Identitätswerte werden einerseits über soziale Rollen und Gruppenzugehörigkeiten und andererseits über Erfahrung bestimmt. Als einen selbstreflexiven Prozess bezeichnen Hans-Peter Frey und Karl Haußer die Identität, indem der Mensch unterschiedliche Erfahrungstypen, zum Beispiel aktuelle und gespeicherte, reflektiert. »Identität entsteht aus situativer Erfahrung, welche übersituativ verarbeitet und generalisiert wird.« (Frey 1987: 21)</span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Dass Identität über Sprache und Kommunikation vermittelt wird, ist wiederum die Meinung des Soziologen Lothar Krappmann. Danach bleibt Identität immer in Bewegung und wandelt sich ständig. (Krappmann 1999: 13)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Über die philosophische Fragestellung, ob sich die Identität über das Gedächtnis definiert, diskutiert beispielsweise die Identitätsethik, obwohl diesbezügliche Probleme schwierig, wenn überhaupt, zu lösen sind. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Das sogenannte Identitätsbewusstsein entwickelt sich über die eigene Fähigkeit, sich mit sich selbst zu identifizieren.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Ein ungewollter Identitätsverlust verursacht psychisch und physisch ein großes Isolationsproblem, da sämtliche Gruppenzugehörigkeiten (z. B. Familie, Volk, etc.) verloren gehen. Dies geschieht, wenn eine innere oder von außen beeinflusste Veränderung stattfindet, die die eigene Identifizierung abwandelt. Damit hat auch der Protagonist Douglas Quaid in <em>Total Recall</em> zu kämpfen, der aufgrund von Erinnerungsimplantaten seinen aktuellen Erinnerungen nicht mehr trauen kann, seine Zugehörigkeit stark anzweifelt und bis zum Schluss seiner bisherigen Identität nicht auf den Grund gehen kann. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Ähnlich wie im Film <em>Blade Runner</em>, basierend auf <em>Do Androids Dream of Electric Sheep?</em>, ebenfalls von Philip K. Dick, unterstützen sich der im Jahr 2084 spielende Film <em>Total Recall</em> und seine Vorlage mit Informationen, obwohl sie sich trotzdem vehement unterscheiden. Natürlich gibt es jede Menge Differenzen zwischen dem Film und der Kurzgeschichte, aber durch die Lektüre beider Medien bekommt der Leser Hinweise und Aufschlüsse, die sich zum Teil gegenseitig ergänzen. (Gwen Lee, 2000: S.52). Dadurch wirkt der Film nicht komplett von Dick entfremdend, auch wenn sich der jeweilige Plot in zwei verschiedene Richtungen wendet. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Vorlage wie auch Film spielen mit dem gesamten Spektrum der Identitätsproblematik. Der Identitätsverlust des Protagonisten und seine (scheinbare) Geheimidentität stehen im Vordergrund der Geschichten, die sich, wie bereits erwähnt, unterschiedlich auflösen. Hinzu kommen im Film, neue, erfundene Identitäten, z.B. in Form von Mutanten. Gedächtnis und Identität gehen nahtlos ineinander über, indem der Verlust der Erinnerung zu einem Verlust des Gedächtnisses und in weiterer Folge zum Verlust der Identität führt. Wissenschaftlich wird als Gedächtnis »die Fähigkeit, Erfahrungen und Kenntnisse zu behalten und sich bei Bedarf wieder an sie zu erinnern«, verstanden. »Dennoch ist die Erinnerung daran nicht immer ohne weiteres verfügbar.« (<a href="http://www.psychology48.com">http://www.psychology48.com</a>)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><strong><span style="text-decoration:underline;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Medien</span></span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">:</span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">Philip K. Dick (1972): <em>Do Androids Dream of Electric Sheep?</em>, Lancaster: Panther.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"> </span></p>
<p class="MsoBodyText" style="margin:0;"><span style="font-size:10pt;" lang="EN-GB"><span style="font-family:Garamond;">Philip K. Dick (1972): »We Can Remember It for You Wholesale«, In: <em>The Preserving Machine and Other Stories,</em> England: Pan Books.</span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Hans-Peter Frey (Hg.), (1987): Identität. Entwicklungen psychologischer und soziologischer Forschung, Stuttgart: Enke.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><a href="http://www.psychology48.com/deu/d/gedaechtnis/gedaechtnis.htm">http://www.psychology48.com/deu/d/gedaechtnis/gedaechtnis.htm</a>, am: 25.04.2009.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Lothar Krappmann (1999): <em>Soziologische Dimensionen der Identität</em>, Stuttgart: Klett-Cotta.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Gewn Lee/Doris E. Sauter (Hg.), (2000): <em>&#8230;wenn unsere Welt ihr Himmel ist? Letzte Gespräche</em>, Bellheim:<span>  </span>Edition Phantasia.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">Ridley Scott (1982): <em>Blade Runner</em>, USA: Warner.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Paul Verhoeven (1990): <em>Total Recall</em>, USA: TriStar.</span></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/memorymachines.wordpress.com/65/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/memorymachines.wordpress.com/65/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/memorymachines.wordpress.com/65/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/memorymachines.wordpress.com/65/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/memorymachines.wordpress.com/65/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/memorymachines.wordpress.com/65/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/memorymachines.wordpress.com/65/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/memorymachines.wordpress.com/65/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/memorymachines.wordpress.com/65/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/memorymachines.wordpress.com/65/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/memorymachines.wordpress.com/65/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/memorymachines.wordpress.com/65/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/memorymachines.wordpress.com/65/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/memorymachines.wordpress.com/65/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=memorymachines.wordpress.com&amp;blog=7072581&amp;post=65&amp;subd=memorymachines&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Chat, Blog, Rekal</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Apr 2009 19:45:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>memorymachines</dc:creator>
				<category><![CDATA[PKD]]></category>

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		<description><![CDATA[Show me what your links are and I’ll tell you what kind of person you are Miller     1. Was bedeutet Identität?   Der folgende Beitrag setzt sich mit der in Chat-Räumen und Blogs konstruierten virtuellen Identität auseinander. Doch zunächst soll die Frage behandelt werden, was Identität überhaupt bedeutet. Der Begriff Identität ist nicht [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=memorymachines.wordpress.com&amp;blog=7072581&amp;post=52&amp;subd=memorymachines&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="line-height:150%;text-align:right;margin:0;" align="right"><em><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">Show me what your links are and I’ll tell you what kind of person you are </span></em></p>
<p style="line-height:150%;text-align:right;margin:0;" align="right"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE">Miller</span></p>
<p style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><strong><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><strong><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">1. </span></strong><strong><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE">Was bedeutet <em>Identität</em>?</span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE">Der folgende Beitrag setzt sich mit der in Chat-Räumen und Blogs konstruierten virtuellen Identität auseinander. Doch zunächst soll die Frage behandelt werden, was Identität überhaupt bedeutet. Der Begriff Identität ist nicht eindeutig zu definieren und hängt vom jeweiligen Kontext ab, in dem er verwendet wird. Im Duden wird <em>Identität</em> unter anderem als »das Existieren von jmdm.« beschrieben, in einer allgemeinen Definition der <em>individuellen Identität</em> aus psychologischer Sicht heißt es<em> </em>»die als ›Selbst‹ erlebte innere Einheit der Person«<em>.</em> Die psychologische Bedeutung des Verbs <em>identifizieren</em> lautet: »sich mit einer anderen Person od. Gruppe emotional gleichsetzen u. ihre Motive u. Ideale in das eigene Ich übernehmen.«</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE"><span>   </span>Auf der Website <em>http://www.stangl.eu/psychologie/definition/Identitaet.shtml</em> haben Johann Blöckenwegner und Michaela Aiglesberger verschiedene psychologische Begriffserklärungen zusammengetragen. So wird Identität zum einen als »Synonym für Gleichheit«<span>  </span>beschrieben, andere Definitionen sind unter anderem:</span></p>
<p class="Verzeichnis" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE"> </span></p>
<p class="Verzeichnis" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0 0 0 1cm;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE">Im allgemeinen Sinne beschreibt der Begriff der Identität die einzigartige Kombination von persönlichen und damit unverwechselbaren Eigenschaften des Individuums und umfasst dabei beispielsweise den Namen, das Geschlecht und den Beruf durch diese Charakteristika lässt sich die Person von anderen Individuen unterscheiden. In einer deutlich engeren und psychologischen Sicht beschreibt Identität eine einzigartige Persönlichkeitsstrucktur (sic!) und schließt das Bild ein, welches andere von derselben haben.<em> </em>(Blöckenweger/Aiglesberger 2006)</span></p>
<p class="Verzeichnis" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE"> </span></p>
<p class="Verzeichnis" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE">Oder: »</span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Identität definiert eine Person als einmalig und unverwechselbar und zwar in zweierlei Hinsicht: durch das Individuum und durch die soziale Umgebung.« </span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE">(Blöckenweger/Aiglesberger 2006)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoBodyTextIndent" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><strong><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">2. Virtuelle bzw. konstruierte Identität</span></strong></p>
<p class="MsoBodyTextIndent" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoBodyTextIndent" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Doch was versteht man nun unter <em>virtueller Identität</em>? Nicola Döring formuliert die Antwort folgendermaßen: »Wir sprechen von virtuellen Identitäten wenn es darum geht, wie Menschen sich selbst präsentieren, wenn sie computervermittelt (also etwa per Email, Chat, Mailingliste, Newsgroup oder Webpage) miteinander kommunizieren.« (Döring 2000) </span></p>
<p class="MsoBodyTextIndent" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Rolf Goetzke, der im Rahmen seiner Diplomarbeit<span>  </span></span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE">den »[…] virtuelle[n] Raum als Labor für Ich-Konstruktionen« </span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">(Goetzke 2002) </span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE">untersucht hat</span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">, geht davon aus, dass die Konstruktion einer virtuellen Identität dem User die Möglichkeit bietet, Identitätsmerkmale zu offenbaren, die er im Alltag auszuleben nicht imstande ist. (Goetzke 2002: 10-12)</span></p>
<p class="MsoBodyTextIndent" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><strong><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">3. </span></strong><strong><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Kommunikation in Chat-Räumen</span></strong></p>
<p style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">William Gibson wiederum definiert <em>Cyberspace</em>, also den virtuellen Raum, im 1984 erschienenen ersten Teil seiner Romantrilogie <em>Neuromancer</em>, wie folgt: »The total interconnectedness of human beings through computers and telecommunication without regard to physical geography.« </span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE">(Churchill 2003)</span></p>
<p style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><em><span style="font-size:10pt;font-style:normal;font-family:Garamond;" lang="DE"><span>   </span>John Suler befasst sich auf seiner Homepage </span></em><em><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE">The Psychology of Cyberspace</span></em><em><span style="font-size:10pt;font-style:normal;font-family:Garamond;" lang="DE"> mit den psychologischen Implikationen des virtuellen Raumes. User würden den Computer oft als Erweiterung ihrer Psyche und Persönlichkeit beschreiben, der </span></em><em><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE">Raum</span></em><em><span style="font-size:10pt;font-style:normal;font-family:Garamond;" lang="DE"> würde sowohl Geschmack, Einstellungen, als auch Interessen der User reflektieren. Unter idealen Bedingungen würden User die Möglichkeiten, die der virtuelle Raum bietet, nutzen, um sich selbst besser zu verstehen, und um die verschiedenen Aspekte ihrer eigenen Identität zu erforschen, während sie die Identitäten anderer Personen kennenlernten. Als beinahe optimal bezeichnet Suler den Zustand, da Leute den psychologischen Raum nutzten, um ihre Fantasien und die Frustrationen, Ängste und Wünsche, die jene Fantasien antrieben, auszuleben. (Suler 1996-99)</span></em></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><em><span style="font-size:10pt;font-style:normal;font-family:Garamond;" lang="DE"><span>   </span>Gemeinsam mit mehreren Co-Autoren veröffentlichten Professor Hal Abelson und Lawrence Lessig bereits 1998 so genannte </span></em><em><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE">Social Protocols</span></em><em><span style="font-size:10pt;font-style:normal;font-family:Garamond;" lang="DE"> zum Thema virtuelle Identität. Im Kapitel </span></em><em><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE">Social Aspects</span></em><em><span style="font-size:10pt;font-style:normal;font-family:Garamond;" lang="DE"> wird Kommunikation im Internet aus dem sozialen Blickpunkt erläutert. Seit der Entwicklung von </span></em><em><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE">Arpanet</span></em><em><span style="font-size:10pt;font-style:normal;font-family:Garamond;" lang="DE"> (</span></em><em><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE">Advanced Research Projects Agency Network</span></em><em><span style="font-size:10pt;font-style:normal;font-family:Garamond;" lang="DE">), dem Vorläufer des heutigen Internets, war der Hauptzweck die Kommunikation zwischen mehreren Menschen. (Abelson &amp; Lessig 1998: :38-39)</span></em></p>
<p style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><em><span style="font-size:10pt;font-style:normal;font-family:Garamond;" lang="DE"><span> </span></span></em></p>
<p style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><em><strong><span style="font-size:10pt;font-style:normal;font-family:Garamond;" lang="DE">4.</span></strong></em><em><span style="font-size:10pt;font-style:normal;font-family:Garamond;" lang="DE"> <strong>Kommunikation mittels Blogs</strong></span></em></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><em><span style="font-size:10pt;font-style:normal;font-family:Garamond;" lang="DE"> </span></em></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Der Studie <em>AIM</em> (<em>Austrian Internet Monitor</em>) zufolge wurden 2007 von 3% der österreichischen Internetnutzer Blogs verfasst, in Zahlen übersetzt bedeutet das in etwa 135.600 Blogger. Gelesen wurden die Blogs sogar von mehr als doppelt so vielen Usern. (Bredl 2007)</span></p>
<p style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span></span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE">Der Schriftsteller Hugh Miller äußerte sich zu diesem Thema wie folgt:</span></p>
<p style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE"> </span></p>
<p style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0 0 0 1cm;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">When you call up my home page&#8230; you may get there through an orderly route via my institution, department, speciality, and so on, but you might have found me because I’m ‘nerdy home page of the month’ on the home page of someone in Mexico. If I knew that was the way people were going to get to me, I might have arranged my public face differently. </span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE">(Chandler 1998)</span></p>
<p style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0 0 0 1cm;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Technologische Entwicklungen im Rahmen elektronischer Datenübertragung öffneten eine neue <em>Domain</em> von sozialer Interaktivität. Es war nun möglich, eigene Ideen zu veröffentlichen und Hunderten, Tausenden von Menschen zu präsentieren und sowohl augenblicklich, als auch zeitversetzt Feedback zu erhalten. Dies ergänzte nun in einer neuen Entwicklung das traditionelle Massenmedium von seinem »›from one to many‹ format, with a ›from many to many‹ format« für Millionen von Internetnutzern weltweit. (King 1996)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><strong><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">5. Concept of the MUD</span></strong></p>
<p style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><strong><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"> </span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE">Was ist ein MUD?</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE"><span>   </span><em>Multi User Dungeon</em> steht für Online-Rollenspiele im Textmodus, bei dem mehrere Spieler gleichzeitig miteinander interagieren können. Ein <em>Dungeon</em>, beschreibt einen typischen Ort im virtuellen Rollenspiel.</span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE"> </span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE">Da die Spielfiguren durch individuelle Befehle gesteuert werden, </span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">kann ein <em>MUD</em>-Spieler eine Identität konstruieren, die total unabhängig von seinem tatsächlichen Geschlecht, Alter, Charakter, etc. ist. Dabei darf er jedoch nicht vergessen, dass es sich bei der Konstruktion um eine eingebildete, konstruierte Identität handelt. </span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">(Weber 2002)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"><span>   </span>In anderen Worten: </span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">»On MUDs we create virtual identities, perhaps dependent or based upon real life, but never completely the same. The danger occurs when this perspective is lost.«<em> </em></span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">(MacLeod 1999)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span><em>MUDs</em> können unser Leben bereichern, sie begünstigen zeitweise sogar eine umfassende Sozialisierung und bieten eine Art der Therapie für diejenigen, denen es im Alltag an Fähigkeiten zur Interaktion fehlt. Probleme entstehen, wenn das virtuelle Leben das reale zu ersetzen beginnt und die Online-Freunde zu den einzigen Kommunikationspartnern werden. In der <em>MUD</em>-Gemeinschaft gibt sich jeder als eine beliebige Person aus, je nach den Vorgaben kann es beispielsweise auch ein Serienkiller sein, denn die Gesetze der realen Welt haben in der Virtualität keine Gültigkeit. (MacLeod 1999)</span></p>
<p class="Verzeichnis" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><strong><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">6. Was für Gefahren bestehen?</span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Kritikern zufolge wird die tatsächliche Identität einer Person oft hinter einer willkürlich konstruierten Scheinidentität versteckt, wodurch »der soziale Austausch somit zur puren Maskerade verkommt« </span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE">(Döring 2000).</span></p>
<p style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE"><span>   </span></span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Viele User erfahren im virtuellen Raum oft eine Nähe, die ihnen im realen Leben verwehrt bleibt. Dadurch laufen sie jedoch Gefahr, eine »erstarrte Identität zu entwickeln, indem sie virtuell gelebte Selbstanteile im realen Leben und reale Selbstanteile in der Virtualität leugnen.« </span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE">(Goetzke 2002)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE"><span>   </span>Bleiben die virtuell gelebten Selbstanteile im Alltag weiterhin ungelebt, kann es zu wiederholtem Ausleben dieser Selbstanteile in der Virtualität kommen, um das Gefühl von Leere, das Goetzke als <em>Integrationsvakuum</em> bezeichnet, zu beseitigen. Dies könnte jedoch die Genese einer Internet-Sucht begünstigen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE"><span>   </span>Bei etwaigen </span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE">problematischen Reaktionen auf <em>eingebildete</em> Szenarien spielen Zusammenhänge komplexer psychologischer Faktoren eine Rolle. Veränderungen im virtuellen Körper können zu Persönlichkeitsspaltung, Identitätsstörung, zu innerer Zerrissenheit bzw. zu der buchstäblichen Angst, sich aufzulösen, führen. Demnach müsste eigentlich für jeden Spieler bereits im Vorhinein abgeschätzt werden, inwieweit er den diversen Fantasiebildern gewachsen ist. (</span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE">Suler 1996-99)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE"> </span></p>
<p style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><strong><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE">7. Was für Vorteile gibt es?</span></strong></p>
<p style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"> </p>
<p style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><strong></strong><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Im virtuellen Raum kann der User ungleich zum realen Leben jedoch auch Zuwendung und Respekt erfahren, der virtuelle Raum kann einer »integrierenden, mit sich identischen Identität [</span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE">…] ein Entwicklungspotential bieten; Selbstoffenbarung und Selbsterkundung könnten unter diesen Bedingungen demzufolge jenseits von Täuschung und Lüge gefördert werden« (Goetz 2002).</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;color:green;font-family:Garamond;"><span>   </span></span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Nicola Döring formuliert es als Gegenüberstellung zur negativen Kritik folgendermaßen<em>: </em></span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">»Andere dagegen loben, dass Menschen bei der Konstruktion virtueller Identitäten biografisch wichtige und sinnvolle Identitätsarbeit leisten, indem sie Aspekte ihres Selbst offenbaren und erkunden, die in vielen Offline-Situationen ausgeblendet bleiben«</span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">(Döring, 2000).</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Interessant ist die Überlegung, ob es denn im realen Leben nicht hilfreich wäre, aus der Situation, in der man sich befindet, einfach auszutreten um sie aus einer sichereren, objektiveren Entfernung untersuchen zu können. In der virtuellen Realität, gerade in den Szenarien, welche anregen oder in die Irre führen, kann die Möglichkeit, die Szene aus der Sicht einer dritten Person zu betrachten, sehr hilfreich sein. Anders ausgedrückt: Vom psychologischen Forschungsstandpunkt aus kann das Experimentieren mit imaginären Umgebungen helfen, die Parameter der menschlichen Empfindungen, Wahrnehmung und Identitätskonstruktionen besser zu verstehen. (Suler 1996-99)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE"> </span></p>
<p style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><strong><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">8. Parallelen zum Text <em>We Can Remember It for You Wholesale</em></span></strong></p>
<p style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Das Grundproblem auf das <em>We Can Remember It for You Wholesale</em> baut, ist die Austauschbarkeit von <em>memory</em> und die dadurch provozierte Austauschbarkeit von <em>identity</em>. In einem Internetprofil realisiert sich dieses Prinzip insofern, als sich User die Identität aus dem basteln, was an Information zur Verfügung gestellt wird. Ändert sich die Information (<em>memory</em>), ändert sich die Identität (<em>identity</em>). Der Leser eines Blogs kann sich von dessen Verfasser, ein Chat-Liebhaber von seinem Gegenüber, nur annähernd und ausschließlich insofern ein einheitliches Ich vorstellen, als die Informationen, die ihm zur Verfügung stehen, ausreichen. Dass dies aber nicht nur für den Empfänger der Botschaften, sondern gleichsam für deren Sender und Urheber von Relevanz sein kann, beweisen die bereits angesprochenen Phänomene psychischer Zusammenbrüche aufgrund einer mutwilligen Grenzverschiebung zwischen der tatsächlichen und der virtuellen Identität: Virtuelle Identität heißt nicht selten auch Selbstbespiegelung – wovon sich Quails Entscheidung, sich für Geld gehirnmanipulieren zu lassen, im Grunde nicht unterscheidet.</span></p>
<p style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>In ebendieser Entscheidung, sich eine falsche Erinnerung implantieren zu lassen, um sich seine Sehnsucht, eine Person zu sein, die er – so glaubt er lange Zeit – nie war und nie sein könnte, spiegelt sich sogleich eine weitere Parallelität zum Problem der virtuellen Identität. Dabei nämlich spielt es letztlich für ihn keine Rolle mehr, dass es sich nur um erfundene Erinnerungen handeln würde, wie es auch einigen Internetnutzern, die sich vorwiegend in Chat-Räumen aufhalten bzw. mit Online-Spielen beschäftigen, nicht darauf ankommt, dass die virtuelle Welt keine reale ist. Und mitunter neigen manche der User sogar dazu, diese Tatsache zu vergessen.</span></p>
<p style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span>   </span>Quail definiert sich über eine gewisse Sehnsucht. Als er schließlich erfährt, dass es sich beim vermeintlichen Kunstprodukt um reales Empfinden handelt, das Erlebtes aus der Vergangenheit widerspiegelt, identifiziert er sich wieder mit der Person, die er einmal war und deren Identität durch das Einsetzen falscher Erinnerungen verändert wurde. Während Quail durch den Versuch, tatsächliche Erinnerungen durch falsche zu ersetzen, eine Identitätsstörung erfährt, kann es auch im virtuellen Ich zu (ungewollten) Veränderungen kommen. Und verändert sich die virtuelle Identität, so kann sie – als deren Teilstück – auch die reale Identität beeinflussen. (Suler 1996-99)</span></p>
<p style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><strong><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><span style="text-decoration:underline;">Medien</span>:</span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="Default" style="margin:0;"><em><span style="font-size:10pt;font-style:normal;font-family:Garamond;" lang="DE">Hal Abelson/Lawrence Lessig (1998): »Digital Identity in Cyberspace«, auf: </span></em><em><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE"><a href="http://www.eema.org/downloads/is_industry_papers/digital_id_in_cyberspace.pdf">http://www.eema.org/downloads/is_industry_papers/digital_id_in_cyberspace.pdf</a></span></em><em><span style="font-size:10pt;font-style:normal;font-family:Garamond;" lang="DE">,</span></em><em><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE"> </span></em><em><span style="font-size:10pt;font-style:normal;font-family:Garamond;" lang="DE">24.04.2009.</span></em></p>
<p class="Default" style="margin:0;"><span style="font-size:10pt;" lang="DE"><span style="font-family:Arial;"><span> </span></span></span></p>
<p style="margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="DE">Johann Blöckenwegner/Michaela Aiglesberger (2006): »Identität«, auf: <em><a href="http://www.stangl.eu/psychologie/definition/Identitaet.shtml">http://www.stangl.eu/psychologie/definition/Identitaet.shtml</a></em>, am: 22.04.2009.</span></p>
<p style="margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><em><span style="font-size:10pt;font-style:normal;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">Martin Bredl (2007): »Bredl bloggt. Martin Bredls Tech Experiences«, auf: </span></em><em><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"><a href="http://bredlbloggt.telekom.at/stories/419/">http://bredlbloggt.telekom.at/stories/419/</a></span></em><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">, am: 24.04.2009.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-weight:normal;font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">Daniel Chandler (1998): »</span><span style="font-weight:normal;font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">Personal Home Pages and the Construction of Identities on the Web«, auf: <em><a href="http://www.aber.ac.uk/media/Documents/short/webident.html#F">http://www.aber.ac.uk/media/Documents/short/webident.html#F</a></em>, am: 24.04.2009.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">Elizabeth Churchill (2003): »What’s Cyber about CyberEthnography? Notes on Methods for Research on (cyber)Sociality«, auf: <em><a href="http://xeeliz.wordpress.com/2005/06/13/rambling-draft-abstract/">http://xeeliz.wordpress.com/2005/06/13/rambling-draft-abstract/</a></em>, am: 24.04.2009.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"> </span></p>
<p class="MsoBodyTextIndent" style="margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Nicola Döring (2000): »</span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Identität + Internet = Virtuelle Identität?«, auf:<em> </em></span><em><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><a href="http://www.mediaculture-online.de/fileadmin/bibliothek/doering_identitaet/doering_identitaet.html">http://www.mediaculture-online.de/fileadmin/bibliothek/doering_identitaet/doering_identitaet.html</a></span></em><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">, am: 20.04.2009.</span></p>
<p class="MsoBodyTextIndent" style="margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoBodyTextIndent" style="margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Rolf Goetzke (2002): »Identität und Internet«, auf: <em><a href="http://rolf-goetzke.de/pdf/Diplomarbeit.pdf">http://rolf-goetzke.de/pdf/Diplomarbeit.pdf</a></em>, am: 20.04.2009.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">Storm A. King (1996): »Is the Internet Addictive, or Are Addicts Using the Internet?«, auf: </span><em><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"><a href="http://webpages.charter.net/stormking/iad.html#Conclusion">http://webpages.charter.net/stormking/iad.html#Conclusion</a></span></em><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">, am: 24.04.2009.<br />
</span><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">   </span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">Kalvin MacLeod (1999): »The Online Identity. How MUDs Shape Fantasy into Reality«, auf: <em><a href="http://socserv.mcmaster.ca/soc/courses/stpp4C03/ClassEssay/muds.htm#4">http://socserv.mcmaster.ca/soc/courses/stpp4C03/ClassEssay/muds.htm#4</a>,</em> am: 24.04.2009.</span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB">John Suler (1996-1999): »The Psychology of Cyberspace«, auf: <em><a href="http://www-usr.rider.edu/~suler/psycyber/psychspace.html">http://www-usr.rider.edu/~suler/psycyber/psychspace.html</a></em>, am: 24.04.2009.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;" lang="EN-GB"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Wibke Weber (2002): »Studienarbeit für Webkultur«, auf: <em><a href="http://www.liamara.de/mud/mud.html">http://www.liamara.de/mud/mud.html</a></em>, am: 24.04.2009.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"> </p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/memorymachines.wordpress.com/52/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/memorymachines.wordpress.com/52/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/memorymachines.wordpress.com/52/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/memorymachines.wordpress.com/52/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/memorymachines.wordpress.com/52/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/memorymachines.wordpress.com/52/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/memorymachines.wordpress.com/52/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/memorymachines.wordpress.com/52/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/memorymachines.wordpress.com/52/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/memorymachines.wordpress.com/52/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/memorymachines.wordpress.com/52/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/memorymachines.wordpress.com/52/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/memorymachines.wordpress.com/52/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/memorymachines.wordpress.com/52/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=memorymachines.wordpress.com&amp;blog=7072581&amp;post=52&amp;subd=memorymachines&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Manifest</title>
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		<pubDate>Thu, 16 Apr 2009 16:20:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>memorymachines</dc:creator>
				<category><![CDATA[PKD]]></category>

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		<description><![CDATA[Das habe ich getan, sagt mein Gedächtnis. Das kann ich nicht getan haben, sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich. Endlich gibt das Gedächtnis nach. Nietzsche   memory machines: Die Variabilität von Erinnerung bedeutet die Variabilität von Identität – diese Gleichung scheinen uns gleichsam Philip K. Dick in seiner short story We Can Remember It for [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=memorymachines.wordpress.com&amp;blog=7072581&amp;post=12&amp;subd=memorymachines&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="line-height:150%;text-align:right;"><em><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Das habe ich getan</span></em><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">, <em>sagt mein Gedächtnis.</em><em><br />
<em>Das kann ich nicht getan haben</em></em>, <em>sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich</em>.<em><br />
<em>Endlich gibt das Gedächtnis nach.</em></em></span></p>
<p style="line-height:150%;text-align:right;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Nietzsche</span><span style="font-size:10pt;"></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;"><span style="font-family:Times New Roman;"> </span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><strong><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">memory machines</span></strong><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">: Die Variabilität von Erinnerung bedeutet die Variabilität von Identität – diese Gleichung scheinen uns gleichsam Philip K. Dick in seiner short story <em>We Can Remember It for You Wholesale </em>und Paul Verhoeven in seiner filmischen Adaption <em>Total Recall</em> suggerieren zu wollen. Die These gibt sich vorerst als eine kluge zwar, mitunter allerdings als unverblümt grotesk und verstiegen – mehr als eine Phantasmagorie will in ihr denn doch nicht gesehen werden. Gleichwohl: Ihrer futuristischen Aufmachung entkleidet, wirkt die burleske Diegese um den Angestellten Doug Quail wider Erwarten seltsam real und bedenklich – ja, attrahierend. Und zwar dermaßen, dass wir, die Verfasser dieses Online-Tagebuchs, uns dieser zweifelhaften Materie intensiver anzunehmen geneigt sind. Wie solide sich die Architektur des dickschen Gedankenexperiments letztlich ausnimmt, soll in den nächsten Monaten beurteilt, Bruchstellen und Argumentationsmängel sollen diagnostiziert werden – dieser Blog soll sich zum zentralen Instrument einer umfassenden Kritik modifizieren: einer Kritik der Gedächtnis- und Identitätsmaschinen Philip K. Dicks.</span><span style="font-size:10pt;"></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">   Der Auseinandersetzung mit dem literarischen Werk Dicks an dieser Stelle eine Präambel vorzusituieren hat vor allem den Zweck, in geraffter Form unseren die nächsten Wochen und Monate umfassenden Masterplan in seinen Grundzügen vorzustellen. <em>Gedächtnis und Identität</em> heißt das Fundament, das diesem unserem Vorhaben zugrunde liegt: Zwei lapidare Begriffe, deren Implikationen hinwieder weiteste Problemfelder aufzutun befähigt sind. Um diese Weite auch nur irgend fassen zu können, waren wir gezwungen, uns der Skizzierung einer polyfrontalen Sondierungsstrategie zu widmen: Sowohl dem Werk Dicks, als auch unserer spezifischen Thematik ist lediglich durch eine konsequente Multiperspektivität des forschenden Blickes beizukommen – demnach heißt unsere Politik <em>Transdisziplinarität</em>. Ausgehend von der bereits erwähnten Kurzgeschichte <em>We Can Remember It for You Wholesale</em> verfolgen wir die Intention, uns in stereoskopischer Analyse an den verschiedensten Regionen des Dickschen Problemkorpus anzusiedeln.</span><span style="font-size:10pt;"></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">   Ebendiese stereoskopische Disposition unseres Gegenstandes soll einer adäquaten Handhabe wegen in relevante Teilsektoren zersplittert werden, d.h. binnen fünf spezifischer Theorieregionen sich vollziehen. Diese lauten wie folgt:</span><span style="font-size:10pt;"></span></p>
<ul type="disc">
<li class="MsoNormal"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Werkimmanente Exegese</span><span style="font-size:10pt;"></span></li>
</ul>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Ein zentrales Thema in Philip K. Dicks gesamter Fiktion ist – unser Blog-Name kündigt es bereits an – das menschliche Gedächtnis und alle Bereiche, die dieses Thema mit sich bringt: Erinnerungen, Identität, Bewusstsein, Wahrnehmung, usw. Viele der dickschen Charaktere werden mit gewissen Funktionen und Dysfunktionen ihres Gedächtnisses konfrontiert, und diese Konfrontation ist oft die entscheidende Stimulation, die den Plot vorantreibt. Im konkreten Fall der Ausgangsstory für unsere Untersuchungen (<em>We Can Remember It for You Wholesale</em>) wird das menschliche Gedächtnis durch künstlich implantierte Erinnerungen manipuliert. Diese künstlichen Erinnerungen kommen u.a. auch in <em>Do Androids Dream of Electric Sheep?</em>, der Vorlage des Films <em>Blade Runner</em> vor. In unserem Fall jedoch gewinnt das Thema noch einmal an Brisanz, da hier die Erinnerungsimplantationen an echten, nicht künstlich hergestellten, Menschen vorgenommen werden. Die entsprechenden Blog-Einträge werden mehrere Beispiele für die Bedeutung des Problems <em>Gedächtnis und Identität</em> in Philip K. Dicks Werken vorstellen und untersuchen.</span><span style="font-size:10pt;"></span></p>
<ul type="disc">
<li class="MsoNormal"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Komparative Analyse von Film und Vorlage</span><span style="font-size:10pt;"></span></li>
</ul>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Philip K. Dick verstrickte in seinem literarischen Werk, ob nun in Romanen oder Kurzgeschichten, komplexe, futuristische Sachverhalte um das Wesen des Menschen und der Realität, und versuchte dabei verschiedene thematische Gewichtungen einzubauen. Nachdem sich der Leser bei seinen Science-Fiction Geschichten eine eigene Wirklichkeit aufgebaut hat, kristallisieren sich die immer wieder aufgegriffenen philosophischen und religiösen Schwerpunkte heraus: Manipulation, Besessenheit, innere Sicherheit, Erlösung, Gedächtnis und Identität. Inwieweit die Verarbeitung des Themenschwerpunkts <em>Gedächtnis und Identität</em> in Dicks literarischer Vorlage <em>We Can Remember It for You Wholesale </em>mit der Verfilmung <em>Total Recall</em> aus dem Jahr 1990 gleichzusetzen, zu vergleichen oder ob sie dieser gar entgegenzusetzen ist, soll hier untersucht werden. Wie hat der Regisseur Paul Verhoeven in Zusammenarbeit mit den Drehbuchautoren Dicks Vorlage verändert? Diente diese lediglich als Inspiration für eine eigenständige Story, und wenn ja: Blieb Verhoeven schließlich dennoch der psycho-philosophischen Frage nach <em>Gedächtnis und Identität</em> treu?</span><span style="font-size:10pt;"></span></p>
<ul type="disc">
<li class="MsoNormal"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Sondierung der philosophischen Problematik</span><span style="font-size:10pt;"></span></li>
</ul>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Eine philosophisch perspektivierte Deskription der dickschen Debatte rund um die identitätsstiftende Funktion von Erinnerungen drängt sich insofern auf, als die Verfasstheit des konkreten, des eignen <em>Ich </em>und damit des <em>Selbstbewusstseins </em>naturgemäß eines der grundlegendsten Änigmen der Philosophiegeschichte darstellt. Ausgehend von Dicks dystopischem Ideengerüst soll mithin zunächst eine Brücke zur englischen Aufklärung geschlagen werden, da sich insbesondere die Reflexionen John Lockes und David Humes für eine Annäherung an den Diskurs Philip K. Dicks als ausgesprochen fruchtbar erweisen könnten. Dabei wird allerdings nicht außer Acht gelassen, dass die gegenständliche Fragestellung sich keineswegs auf simple Konnexe reduzieren lässt: Der philosophischen Identitätsdebatte eignet, von ihren antiken Wurzeln bis hin zur Zerstreutheit von Subjektivität im Zuge der multiplen Weltauffassung postmoderner Ambitionen ein gigantisches Ausmaß – Dicks Skizze des tragikomischen Schicksals seines Protagonisten Doug Quail reiht sich somit lediglich als Mikroerscheinung ein in die diskursiven Formationen einer kolossalen Auseinandersetzung. Letztere exaktest nachzuzeichnen kann hier natürlich nicht der Ort sein – es kann ausschließlich darum gehen, für Philip K. Dick einen Platz darin zu finden: Einen Platz zwischen Aufklärung, Psychoanalyse und Poststrukturalismus.</span><span style="font-size:10pt;"></span></p>
<ul type="disc">
<li class="MsoNormal"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Sondierung der psychologischen Problematik</span><span style="font-size:10pt;"></span></li>
</ul>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Um die Relation Philip K. Dicks zu den Themenblöcken <em>Gedächtnis und Identität</em> gewinnbringend herausarbeiten zu können, scheint uns die Integration einer psychologischen Perspektive unumgänglich. Wir wollen uns – vor allem unter Berücksichtigung der Thesen von Daniel L. Schacter – mit der zentralen Frage auseinandersetzen, ob die Begriffe <em>Gedächtnis </em>und <em>Identität </em>aus einer spezifisch psychologischen Sicht unter Umständen synonym verwendet werden können: Bestehen wir (ausschließlich) aus Erinnerung? Was passiert mit uns, wenn wir unser Gedächtnis einbüßen (Alzheimer-Krankheit), oder es massiven Transformationen unterliegt? Inwiefern wären wir dann noch dieselben Menschen? Inwiefern verfügten wir dann noch über dieselbe <em>Identität</em>?</span><span style="font-size:10pt;"></span></p>
<ul type="disc">
<li class="MsoNormal"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Dick heute: die virtuelle Identität</span><span style="font-size:10pt;"></span></li>
</ul>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Hinsichtlich des Problems der sogenannten <em>virtuellen Identität</em> wollen wir uns mit den in Chat-Räumen und Blogs konstruierten Identitäten von Usern auseinandersetzen, wobei freilich Parallelen zu Philip K. Dicks Werk (insbesondere zu <em>We Can Remember It for You Wholesale</em>) hergestellt werden sollen. Welche Rolle spielen bewusste und unbewusste Erinnerungen, tatsächlich Erlebtes, Sehnsüchte und Wünsche für unsere Web-Identitäten bzw. bei der Konstruktion derselben?</span><span style="font-size:10pt;"></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"> </p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;">Dieser Problemkatalog mag irritierend ambitioniert erscheinen – gegebenenfalls nicht zu unrecht. Dennoch sind wir gewillt, die genannten Obliegenheiten konzise in Angriff zu nehmen – dass sich die tatsächlichen Resultate letztlich in diversen Facetten von der zugrunde liegenden Intention unterscheiden werden, können wir natürlich nicht ausschließen. Nichtsdestotrotz sei der Versuch gewagt – möglicherweise wird sich final ohnehin niemand mehr an den Anfang <em>erinnern </em>können …</span><span style="font-size:10pt;"></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><br />
Wir wünschen viel Vergnügen,</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height:150%;text-align:justify;margin:0;"><span style="font-size:10pt;font-family:Garamond;"><br />
REKAL INC.</span></p>
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